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Migration und Seelsorge

Ein Reisender der Gegenwart,
verliebt in die Sila Greca

Die Erfahrung des Deutschen Thomas Raiser, die uns über die Aspekte unseres Landes
nachdenken lässt, mit denen wir uns gewöhnlich wenig befassen.
von Assunta Scorpiniti, Cariati (2003)

Wir werden immer weniger. Mit großer Intensität ist der migratorische Exodus(= Auswanderung) fortgeschritten, der unsere Stadt der Energie, der Intelligenz, der Jugend, der nötigen Kräfte für den Fortschritt Cariatis beraubt. Das immer wiederkehrende Hier gibt es nichts soll uns nicht davon abhalten zu erkennen, dass es etwas gibt, das die Mühe wert ist, unsere Gegend nicht zu verlassen.
Machen wir uns also Gedanken,
ausgehend von der Erfahrung eines einzelnen Touristen, der dem Beispiel der großen Kalabrien-Reisenden und Reiseschriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts folgt. So wie damals beispielsweise der Engländer Norman Douglas (Old Calabria) wandert dieser moderne Kundschafter durch Kalabrien, und es gelingt ihm, die vielfältigen Gesichter unseres Landes einzufangen, die wir wie aus Gewohnheit schon gar nicht mehr wahrnehmen.

Die Poesie der Mittagshitze auf dem Land

Thomas Raiser ist ein Deutscher aus der Gegend um Stuttgart, 47 Jahre alt und Pastoralreferent der Kath. Kirchengemeinde St. Johannes in Fellbach, zu der viele Emigranten aus Cariati gehören. Seit ein paar Jahren durchstreift er zu Fuß, mit dem Ruchsack auf dem Rücken, das Gebiet der Sila Greca. Seine Gründe, Gefühle und Gedanken erklärt er mit einfachen Worten:

„Ich habe kapiert, dass die Süditaliener den Orten ihrer Herkunft, den verwandtschaftlichen Beziehungen und den Traditionen sehr viel Bedeutung beimessen. Ich habe dies erfahren in meiner Tätigkeit als Religionslehrer an einer öffentlichen Hauptschule, die von 70 % der italienischen Kinder und Jugendlichen in unserem Ort besucht wird. Mit vielen ihrer Familien bin ich in regelmäßigem Kontakt. Von hier ergab sich die seelsorgerliche Dringlichkeit, ihre 'Seele' kennen zu lernen, ihren Glauben und ihre Kultur zu schätzen, die Orte ihrer Herkunft zu sehen und ihre Geschichte zu begreifen.
Ein wichtiger Schritt war, die Spuren der ersten Italiener zu suchen, die mit der großen Migrationswelle Anfang der Sechzigerjahre nach Deutschland gewandert sind. Beim Sammeln dieser Daten wurde für mich offensichtlich, dass von den 2500 italienischen Fellbacher Migranten mindestens 700 aus Cariati kamen. Allmählich sind Freundschaften entstanden. So wie mit Cataldo Graziano und Giorgio Ferrari, zwei Künstlern, die in ihren Werken die Landschaft der Sila Greca wiedergegeben haben, in die ich mich verliebt habe.“

Dann kam es zur ersten Reise einer Fellbacher Gruppe nach Cariati, zu einer freundschaftlichen Beziehung zwischen seiner Gemeinde und der Gemeinde Cristo Re, anlässlich des Festes San Cataldo im Mai 2002.

„Als ich zum erstenmal die Orte der Sila Greca besuchte, ist mir bewusst geworden: Ich begegne Menschen, die zwar aus wirtschaftlicher Not emigriert sind, dafür aber einen großen Reichtum an Glauben und Religiosität typisch kalabresischer Prägung besitzen.“

Zu dieser Tradition gehört auch die Geschichte der byzantinischen Spiritualität, die ihn sehr fasziniert.

„Ich bin mehrere Male nach Kalabrien zurückgekehrt - meist im Zug, weil es mir gefällt, mich langsam einem Ort anzunähern – und habe mich bewegt auf den Spuren der Mönche in den Grotten, ihre Wege und die Landschaft wollte ich spüren mit den Füßen, durch die Kratzer hindurch, die Disteln und Stacheln auf den Beinen hinterlassen, wollte mich der Hitze des Mittags aussetzen auf dem Land, die Frische des Waldes genießen, mir mit Quellwasser den Durst stillen, Brombeeren mit ihrem herben Geschmack kosten ...“

Aber auch um eine wichtige menschliche Erfahrung zu machen.

„Ich habe die Gastfreundlichkeit der Familien, die stillschweigende Großzügigkeit der Bauern, die Herzlichkeit der Hirten und der Waldarbeiter erfahren; sie haben mich immer wieder eingeladen mit ihnen zu essen, über Orte, Klima, Vegetation, Tradition der Arbeit zu sprechen, eine Gesamtsicht der Dinge, welche für die Einheimischen oft wenig Gewicht hat. Das sind Dimensionen, die es wieder zu entdecken gilt: Die Landschaft, die außer ihrer offensichtlichen Schönheit auch einen Wert besitzt als Ort des Gebets und der Meditation über wichtige Werte, als Ort der Besinnung auf sich selbst. Ich habe in den Schriften von Basilius dem Großen gelesen, der in seiner Lebensregel für die Mönche die Notwendigkeit der Einsamkeit und des Gebet in den Grotten, aber auch der gemeinsamen Arbeit mit den andern für den Aufbau einer Gemeinschaft beschreibt."

„Die Landschaft der Olivenbäume und Felsen lässt einen an den Charakter der Emigranten denken.“

Unter den begangenen Wegen, für die Raiser einen Enthusiasmus zeigt, weist Raiser einen besonderes Interesse auf für die, die er im Herbst 2002 gegangen ist. Von Rossano aus zur byzantinischen Einsiedelei S. Onofrio, eingebettet in typische mediterrane „Macchia“, umgeben von Wasserläufen.

„Das war früher die Kirche der Wanderhirten; es hat mir gut getan, allein zu sein an diesem von Natur umgebenen Ort , so wie das die Mönche früher erlebt haben.“

Nicht fehlen darf natürlich auch der Weg von S. Maria del Patire hoch bis zum Waldschutzgebiet Cozzo del Pesco mit seinen gigantischen Kastanien.
Im Februar 2003 hat er dann den folgenden Weg begangen, von Mirto ausgehend, durch das Gebiet von Crosia, Caloveto, Pietrapaola, Mandatoriccio und San Morello.

„Ich habe hier vor allem die Einfachheit der Landschaft bewundert, die bis 600 m fast nur aus Oliven und Gestein besteht und ein wenig den großzügigen und zähen, dabei zurückhaltenden Charakter der Familien wiederspiegelt, die sich in Fellbach niedergelassen haben. Beim Besuch der Orte gab es verschiedene Eindrücke. Einige, wie Pietrapaola Centro, sind nahezu entvölkert und hinterlassen einen Eindruck des Verlassenseins. Ähnlich verhält es sich mit San Morello (Ortsteil von Scala Coeli). Ich kenne eine junge Frau in Weinstadt, die mir gesagt hat, es sei wichtig, dass jemand die Geschichte ihres Herkunftsortes aufschreibt, weil sie das Gefühl hat, dass er möglicherweise irgendwann aufhört zu bestehen.“


In der ersten Augusthälfte 2003 begann die Tour mit Wanderungen um Cariati herum, dann ging es weiter Richtung Campana und Bocchigliero, („der Wald von Basilicò ist wirklich ein Ort des Friedens..“) über Paludi bis nach Rossano.

„Ich habe sehr viele Vogelarten gesehen, ich habe den Geschmack der Minze verspürt und des wilden Fenchels, der Lakritzpflanze, die es dort reichlich gibt. Lauter Erfahrungen und Eindrücke, die ich sehr schätze. Ich meine, dass es sich für die Orte der Sila Greca / Sila Ionica lohnen würde, ein Netz von Wanderwegen zu errichten, sei es eines auf den Spuren der Natur, ein gastronomisches, ein religiöses oder ein kulturell-musikalisches. Es wäre lohnend, wenn die Kommunen sich Gedanken machen würden, wie ein solches Netz aussehen könnte, wie man zum Beispiel von Cariati aus zu Fuß Terravecchia erreichen könnte oder die benachbarten Orte, inklusive die in der angrenzenden Provinz Crotone.“


Thomas Raiser hat einen eigenen Beitrag dazu anzubieten: ein Buch, besser, ein Reisehandbuch in deutsch, mit dem Titel Sila Greca - Sila Ionica (Edition Semplicità 2002) das wie die Erzählungen der alten großen Reiseschriftsteller, Daten enthält, Informationen und Erläuterungen über die begangenen Pfade und Orte wie Bocchigliero, Caloveto, Calopezzati, Terravecchia, Campana, Cropalati, Mirto Crosia, Mandatoriccio, Longobucco, Paludi, Pietrapaola, Scala Coeli, Cariati und Rossano.

„Ich möchte diese Orte unter den Deutschen bekannt machen; das ist mein Beitrag für dieses Land, das ich zuerst durch seine Menschen kennengelernt habe und erst dann durch die direkte Begegnung hier.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buchtip

Monika Scheidler
Interkulturelles Lernen in der Gemeinde
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