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Seit kurzem gibt es touristische Seiten (in it.) auf der Website von Terravecchia

Terravecchia - Spezial 2019

 

Schon öfter war ich in Terravecchia, das erste Mal in Begleitung von Rocco Russo und seiner Frau Teresa Berardi. Diesmal, um die deutsche Übersetzung des kleinen Reiseführers über Terravecchia vorzustellen. Und um die Sagra del Cullurello mitzuerleben.   Bürgermeister Mauro Santoro und Autor des Reiseführers führt zu den neu restaurierten Brunnen mit frischem Sila-Wasser. Mit dabei Antonio Parisi, 2. Vorsitzender des Pastoralrats der italienischen Gemeinde S. Antonio di Padova in Waiblingen und ursprünglich aus Terravecchia.

Die Brunnen    

 

Hier der Brunnen von Papanicola

 

Steil hinunter geht es zur Sorgente Santa Maria. Sie ist stark eisenhaltig. Ein neu gestalteter Platz mit der Brunnenstube befindet sich unterhalb der Kirche S. Maria del Carmelo.

     
Kirche Madonna del Carmelo    

Die Madonna und der Drache

Es wird überliefert, dass in einem ungesunden Gewässer nahe bei Terravecchia ein Ungeheuer
hauste, ein Drache in Gestalt einer Schlange, welcher die Bewohner des Ortes terrorisierte, indem
er in regelmäßigen Abständen Kinder des Ortes raubte und verschlang.
Alle waren voller Furcht und fühlten sich wehrlos, aber ihr großer Glaube an die Jungfrau vom Berg
Karmel sollte sie retten. Die Bewohner flehten in ihrer Angst um das Leben ihrer Kinder zur Madonna, die sich erbarmte.
Am Dienstag nach Ostern erschien die Madonna mit dem Jesuskind auf dem
Arm, riss mit einer Lanze den Bauch der Schlange auf, befreite so das letzte unschuldige Opfer.
Die tote Schlange begrub sie in der Nähe des Nicà-Ufers.
Dort errichteten die Gläubigen von Terravecchia ein Santuario, ein Heiligtum, wo noch heute
das Bild der drachentötenden Madonna zu sehen ist, und aus dem Bauch des Drachens heraus
springt ein Kind, lebendig und gesund.

Und jedes Jahr wiederholt sich der öffentliche Dank der Bevölkerung von Terravecchia für
die Befreiung von der schrecklichen Bedrohung.

(Frei nach PALANGE, GIULIO, Die Königin der drei Brüste, übersetzt und interpretiert von Julia Jäger, Verlag Rubbettino; Soveria Mannelli /Catanzaro 2000.)

 

Die Madonnen von Terravecchia und Crucoli

Sowohl Terravecchia als auch Crucoli besitzen eine schöne Marienfigur. Man sagt, dass beide vom gleichen Künstler geschaffen seien, doch die von Terravecchia, die in der Kirche Madonna del Carmelo steht, sei die schönere (sagen die Leute von Terravecchia).
Eines Nachts kamen die Burschen von Crucoli und stahlen die Madonna. Sie nahmen sie aus der Kirche und trugen sie die Serpentinen entlang, die von der Kirche weg führten. Doch beim Tragen wurde die Madonna schwerer und schwerer, so dass sie die wertvolle Last bald nicht mehr tragen konnten. Da stellten sie die Madonna einfach auf dem Weg ab und eilten schleunigst fort heim nach Crucoli.

Man sagt, die beiden Madonnen von Terravecchia und Crucoli seien Schwestern. Deshalb kann man auch von S. Madonna del Carmelo in Terravecchia aus das Örtchen Crucoli in der Ferne sehen.

(Familie Parisi, Waiblingen)

 

 

Santuario Madonna del Monte Carmelo

Am Dienstag nach Ostern feiert man in Terravecchia das Fest der Madonna del Carmine. Die Statue der Madonna wird in feierlicher Prozession von der Kirche S. Maria del Carmine unterhalb des Ortes hinaufgetragen in die Pfarrkirche S. Pietro in Vincoli. Am Samstag nach Ostern wird um die Kirche S. Maria del Carmine herum gefeiert, und auch am Sonntag nach Ostern wird einiges geboten, wenn die Madonna in ihre Kirche zurückkehrt.

Die Bruzierfestung Pruia    

Pruia ist um ca 800 vor Christus als Festung der Bruzier entstanden. Vermutlich handelt es sich um die Stadt Chone. Der unten gelegene Fluss Nicà bildete die Grenze zwischen den beiden mächtigen altgriechischen Städten Sibarys und Kroton. Bürgermeister Mauro Santoro erzählt:
Von Pruia aus hat man einen 360 ° Rundblick auf das Meer, auf das Tal des Nicà und auf das Landesinnere. Erhalten geblieben sind Reste eines Turms mit einem Durchmesser von ca 5 m, von einem zweiten Turm etwas oberhalb mit ca 8 m Durchmesser. Der Boden ist mit kleinen Keramik-Scherbenstücken übersät. Eine ursprünglich ca 3 m hohe Mauer erstreckte sich über eine längere Strecke der Hangkante entlang dem Nicà-Tal.

Antonio Parisi:
Pruia und die benachbarten Hügel sind Orte unserer Kindheit. Hier lebten die Familien Pignataro und Liguori mit ihren vielen Kindern. Hier haben wir unsere Großeltern besucht und viel Zeit verbracht.

Die Häuser sind inzwischen verfallen, das Gelände allenfalls mit ein paar Obstbäumen bepflanzt.

Rechts: Mauro Santoro und Uta Lünnemann-Raiser in Pruia

Unten: Sonnenuntergang über Terravecchia von Puia aus gesehen

 
 

Blick von Pruia aus auf das Tal des Nicà

Der Reiseführer        

Am Abend des 10. August 2019 wurde die deutsche Übersetzung des Reiseführers
Terravecchia - Terrasse über dem Meer

offiziell vorgestellt.



  verfasst von Mauro Santoro, übersetzt ins Deutsche von Thomas Raiser
40 Seiten, in Farbe, mit zahlreichen Fotos, nicht im Buchhandel erhältlich,
Selbstkostenpreis 5 € + 1 € Versandkosten

Bestellung an:
th.raiser@web.de
 
 
   
 

Terravecchia - una terrazza sul mare

Terravecchia - eine Terrasse zum Meer hin, so nennen die Leute in Terravecchia gerne ihr Dorf, weil es einen wunderbaren Blick auf das ionische Meer hin bietet. Nur vier Kilometer vom Meer entfernt gibt es hier oben auch im heißesten Sommer einen leichten frischen Wind vom Meer her.

(Schülerinnen und Schüler der früheren Scuola Primaria von Terravecchia. Foto: Assunta Scorpiniti)

Die Sagra del Cullurello    
 

Oben: Maria und Antonio Parisi mit Tochter Antonia
Rechts oben und rechts: Eindrücke von der Sagra del Cullurello

Ein sommerliches Dorffest auf der schnuckeligen Piazza von Terravecchia, zwischen Kriegerdenkmal, Ulme und einem ausverschiedenen Terrassen bestehenden Platz, wechselt traditionelle Volksmusik mit neueren Rhytmen. Das aus Ziegenfleisch oder Gulasch bestehende Essen ist aus lokalen Produkten gekocht, auch der eigene Wein schmeckt lecker. Hunderte Kilo Mehl werden zu Cullurelli verarbeitet, in Öl gebackene Teigkringel; es können nie genug sein. Eine Gruppe von Leuten hat das Fest organisiert, darunter Antonia Parisi mit ihrer Familie.

 

 

Der Baum der Freiheit

   
 


 

 

 

Der Baum der Freiheit

Auf der Piazza del Popolo in Terravecchia steht eine uralte Ulme.
Es handelt sich um einen Baum der Freiheit, gepflanzt von den Jakobinern/Franzosen, die um das Jahr 1789 in vielen Orten Kalabriens Freiheitsbäume pflanzten. Doch als die Truppen der Bourbonen im Zusammenwirken mit Kardinal Ruffo die Revolutionäre vertrieben, holzten sie auch die Freiheitsbäume ab - aber nicht alle. Die Zeitschrift CALABRESI NEL MONDO berichtete von einem letzten noch erhaltenen Baum in Montepaone. Da schrieben die Kinder aus Terravecchia zusammen mit ihrer Lehrerin Assunta Scorpiniti an die Zeitschrift:

 

Lieber Herr Direktor Oldani Mesoraca,

wir sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 der Scuola Primaria in Terravecchia. Wir sind eine Schule mit wenigen Kindern (nur 21), aber wir machen viele Unternehmungen, vor allem auch für unseren Heimatort. Unsere Lehrerin hat uns Ihre Zeitschrift gezeigt. ... Nun möchten wir Sie eine Sache wissen lassen:
In der Ausgabe vom Oktober 2004 haben wir einen Artikel gelesen unter der Überschrift "Der letzte Baum der Freiheit", geschrieben von der Journalistin Patrizia Greto. Der Artikel beginnt so:
"Der letzte Baum der Freiheit. Der letzte in Italien. Das einzige noch existierende Exemplar (Anmerkung: nach der Wiederherstellung der Bourbonen-Herrschaft wurden sie abgesägt und verbrannt) ist die Ulme von Montepaone."
Dürfen wir Ihnen mitteilen, dass die Ulme von Montepaone nicht das einzige Exemplar ist, denn wir haben auch eine hier in Terravecchia.

 
  Wir haben einen Kenner der Ortsgeschichte eingeladen, Mauro Santoro, Autor einiger Bücher über unseren Ort.
Er erzählte, dass nach der Revolution von 1789 auch auf der Piazza von Terravecchia ein Freiheitsbaum gepflanzt wurde, eine Ulme, die zeigen sollte, dass große Veränderungen im Gange waren. Als alles mit der Rückkehr der Bourbonen endete, wurden die Freiheitsbäume, die in vielen Orten von Kalabrien
gepflanzt worden waren, abgesägt und verbrannt, vor allem dort, wo die Soldaten durchkamen, die nach den Rebellen suchten. In unserem Ort Terravecchia, der ja ein ganz kleines Dorf auf den Hügeln ist, gab es keine Kämpfe, weil diese Truppen nicht durchzogen, und so blieb die Ulme auf der Piazza.
  Der Baum der Freiheit in Terravecchia
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Unsere Lehrerinnen haben uns gesagt, dass dieser Baum ein Symbol unserer Gemeinschaft geworden ist, weil er sich auf der Piazza del Popolo befindet, wo in alten Zeiten die Versammlungen stattgefunden haben und heute die Feste veranstaltet werden und wo sich alle mit ihren Freunden treffen, wenn sie sagen:“Vai all’urm ira jazza”.

Lieber Direktor, wir senden Ihnen ein Foto unserer Ulme, auch wenn sie noch keine Blätter hat, weil es so kalt war, aber sie hat schon fast welche. Wir freuen uns auf eine Veröffentlichung des Fotos samt unserem Brief.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit, es grüßen Sie

die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 der Scuola Primaria von Terravecchia.