Home


Gastfreundliches Kalabrien

San Francesco di Paola
Freundschaftliche Beziehungen zwischen Fellbach und Cariati
Migration
Kirche

Spiritualität

Kontakt / Impressum

zur Übersicht
WANDERUNGEN

zu: Wege auf den Spuren des Joachim von Fiore

zu: Das Leben des Joachim von Fiore

zu: Joachim von Fiore
in Celico

zu: Joachim von Fiore und die Abtei S. Maria di Corazzo

zu: Joachim von Fiore und San Martino di Canale

zu: Joachim in S. Giovanni in Fiore


Wandern auf den Spuren von Joachim von Fiore

 

Der Rundweg "Joachim von Fiore" in Celico
Die Associazione Culturale Gioacchino hat einen Rundweg eingerichtet auf den Spuren des Joachim von Fiore. Er führt nicht nur zu den sehenswerten Stätten im Ort, sondern auch weit hinaus ins Grüne. Dauer: Der gesamte Weg braucht ca 5 - 6 Stunden. Es können natürlich auch einzelne Stationen ausgewählt werden.

In naher Zukunft wird die deutschsprachige Version der Schrift- und Bildtafeln am Weg auch online gestellt werden. Hier im Vorgriff die Übersetzung:


Das Geburtshaus des Joachim von Fiore(1) findet sich, wenn man von der Pfarrkirche S. Michele Arcangelo auf dem Höhenrücken abwärts geht, dort wo die kleine Kirche S. Maria Assunta steht.

Das elterliche Haus des Giovanni Gioacchino, oder auch Johannes Joachim, Sohn des Notars Mauro und seiner Frau Gemma, befand sich im Viertel Sopranisi. Der Ortsname weist darauf hin, dass das Haus im oberen Teil des mittelalterlichen Celico stand, direkt am alten Pfad hoch in die Sila. Weiter oben existierte damals nur die Kirche San Michele Arcangelo.

Nach Giacomo Greco war der Ort Celico ein befestigter Vorort. Das Haus des Joachim ist jedenfalls eindeutig eine befestigtes Bauwerk, mit zwei Seitentürmen, symmetrisch und fächerförmig angeordnet in Bezug auf den zentralen Baukörper, was auf Rolle und Rang des Vaters schließen lässt, der wohl Repräsentant der normannischen Macht in diesem Gebiet war.

Nachdem das elterliche Haus vom Verein Associazione Culturale Abate Gioacchino als solches identifiziert wurde, wurde es als Denkmal anerkannt und geschützt durch das Ministerium für kulturelle Angelegenheiten, Regionaldirektion für Kulturgüter und ländliche Güter Kalabriens mit Dekret n. 89 vom 25.09.2007.

Die Kirche der Assunta wurde nach dem Tod des Abtes Joachim erbaut. Man errichtete sie vor dem linken Teil der Fassade des Geburtshauses, unter Einbeziehung des linken Turms der Burg, in dem sich das Zimmer Joachims befand, heute die Sakristei der Kirche.

Die Kirche wurde erbaut zwischen 1202, dem Todesjahr Joachims, und vor dem Beginn des Anjou-Zeitalters, und nach Johannes dem Täufer benannt. In der Anjou-Epoche wurde der Titel der Kirche geändert in Santa Maria del Fosso, aus dem französischen ‚Sainte Marie a’la Fosse‘ oder ‚de la fosse‘, wobei das Wort fossa für Grab stand.

Eine weitere in Stein gemeißelte Inschrift legt die Entstehung vor 1421 fest. Die Inschrift wird im Innern der Kirche aufbewahrt, nachdem sie bei einer der Restaurierungen vom Bauwerk abgenommen worden war. Möglicherweise gab es eine Anweisung der aragonesischen Verwaltung, oder aber eine andere Ursache, zu überliefern, dass die Kirche schon zuvor bestand, ohne dass man die Bauzeit näher eingrenzen konnte.


Von dort ist es nicht weit zum Weinberg des Vaters (2), rund 300 Meter rechts den Hang abwärts.

„Seit meiner Jugend bin ich ein Bauer …“ (Joachim von Fiore Exp., f. 175b)

„Noch als Halbwüchsiger zog sich Joachim von Fiore an einen Ort zurück, der ganz von Bäumen umgeben war, in den Weinberg des Vaters Mauro im Gebiet von Celico, der im Osten an ein Saatland von dreieinhalb tomolate (ein tomolo sind ca 4 Quadratmeter) grenzte, im Westen an das Flüsschen Jovino oder Cannavino. Und er streckte sich aus auf einem großen und harten Felsen, der sich an diesem Ort befand und eine Neigung aufwies. Er betete zu Gott in der größten Tiefe seines Herzens. Von so viel Tugend erwuchs eine Blume, und wenn man sie mit Devotion und Glaube anwandte, dann half sie bei Krankheiten und Verwundungen und gab allen die so sehr ersehnte Heilung. Eine Frau aus Celico namens Pacifica Ferrara, so etwa um das Jahr 1500, hatte einen Esel, der wegen einer Wunde schlecht arbeitete. Sie hatte an ihm schon vielerlei nutzlose Mittel ausprobiert. Sie sah die Blume und legte sie auf die schwärende Wunde auf. Der Esel erholte sich von der Verletzung, aber von dem Moment an, in dem das heilige Mittel auch auf Tiere angewandt wurde, verlor die Pflanze ihre heilende Wirkung und verdorrte. Von diesem Ort, an dem die Blume wuchs, verbreitete sich ein Duft von Gummi Arabicum, so wie Weihrauch, und diesen Duft riecht man bis in unsere Tage, sofern man von Glauben und großer Ehrfurcht bewegt ist. Der genannte Weinberg wurde vom ehrwürdigen Priester Don Lorenzo Rodi erworben, der ihn noch heute besitzt …“

(Gregorius De Laude, Magni Divinique Prophetae Beati Joannes Joachimi … Neapoli 1660

Und in einer anderen Version:

Sein Vater hatte einen Weinberg nicht weit weg vom elterlichen Haus, und dort, wo der Weinberg aufhörte, gab es einen dichten Wald, der sich bis zum Flüsschen Cannavino hin ausdehnte. An diesem Ort befand sich ein großer und langer Felsbrocken, von der Natur so zurechtgelegt dass man ihn als Betschemel und auch als Bett nutzen konnte. An diesen einsamen Ort ging der junge Joachim oft, um seine Gebete zu Gott zu erheben, oft unter vielen Tränen. Die häufigen Kontakte mit seinem reinen und keuschen Körper lösten sozusagen die Härte dieses Steins auf, und es entsprang diesem Ort eine Blume, die - wie man sagt - die wundersame Eigenschaft besaß, Wunden und verschiedene Krankheiten zu heilen. Das war bald im Ort bekannt; nun gab es eine Frau in der Umgebung, die krankes Vieh besaß, und sie glaubte, dass die Blume über die Tiere die gleiche Macht besitzen würde wie über die Menschen. Weil sie sich das Herbeiführen des Viehs ersparen wollte, riss sie die Pflanze mitsamt den Blättern und Blüten aus der Erde und nahm sie mit sich fort.

Die Nachbarschaft war über den Verlust dieser wunderbaren Blume so entsetzt, dass der junge Joachim, von ihrer Enttäuschung tief bewegt, sich von neuem ins Gebet vertiefte, und davon erwuchs zwar keine solche Blume, sondern ein Likör, der die gleichen Wirkungen hatte wie zuvor die Blume. Und der hörte nicht auf zu tropfen bis zum Ende von Joachims Leben.


Calderazzi (3), das weiter unten gelegene Viertel des alten Celico, weist auf calderai, Kupferschmiede, hin - ein Handwerk, das im Mittelalter bevorzugt von jüdischen Bewohnren ausgeübt wurde.

Calderazzi oder Quararazzi gehört zu den ältesten Quartieren des mittelalterlichen Dorfes; es war der tiefst gelegene Teil von Celico, überragt vom Haus der Familie Joachims im Quartier Sopranisi. Der Name des Quartiers leitet sich her vom alten Handwerk der Kupferschmiede, und dies war eine typische Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung. Dies wird auch erwähnt von Annie Sacerdoti im Buch „Guida all’Italia Ebraica“.

Ein geflügeltes Wort in der ganzen Gegend von Cosenza war der Spruch: ‚Celico Città Crudele Crocifisse Cristo‘, also: ‚Celico, die grausame Stadt, kreuzigte Christus‘. Das kann ein Hinweis sein auf eine beachtliche Präsenz jüdischer Bevölkerung; möglicherweise bildete sie sogar die Mehrheit, so sehr, dass dadurch die ganze Bevölkerung Celico’s in einen negativen Zusammenhang gebracht wurde. Der Satz hat seinen Ursprung in einer negativen Lesart von fünf ‚C‘, die auf einem Bogen oder auf der Fassade der Pfarrkirche San Michele zu sehen waren. Selbstverständlich war die jüdische Präsenz in Celico insgesamt alles andere als nachteilig für den Ort.

Gustavo Valente erwähnt einen bekannten Juden aus Celico, einen gewissen Giaquinto di Giordano, der im 15. Jahrhundert ein berühmter Chirurg war. Von ihm spricht auch Oreste Dito, der Celico unter die jüdischen Zentren von Kalabrien einreiht.

Neubekehrte aus Celico tauchen dann auch in den Akten des Notars Benedetto De Amone in Cosenza aus dem 16. Jahrhundert auf; die Dokumente befinden sich heute im Staatsarchiv in Neapel.

In Celico finden sich bis heute viele Nachnamen von jüdischen Familien, die zum Christentum konvertiert sind, unter anderem gibt es den Namen Jureo, der unmissverständlich auf eine Familie jüdischen Ursprungs hinweist. Einer dieser Nachnamen ist auch Iaccino, der nach Gregorio De Laude den Nachfahren der Familie von Joachim zuzuordnen ist. Viele stimmen überein, dass die Nachnamen mit dem Beginn auf Jo … gewöhnlich hebräischen Ursprungs sind. Im Alten Testament treffen wir viele Persönlichkeiten mit einem solchen Namensanfang, darunter auch Joachim. Für eine Annahme, dass die Familie von Joachim jüdische Vorfahren gehabt haben könnte, spricht auch ein anderer Hinweis, eine Notarsnotiz aus dem Jahr 1509, heute im Staatsarchiv in Neapel, aus den Akten des Notars Benedetto de Amoni, in der von einer Immobilie in der Giudecca, also dem jüdischen Viertel von Cosenza die Rede ist, die einem gewissen Iannis Ioachini gehöre. Auch in Celico verzeichnet der Notar ein Mitglied der Familie Ioachini. Die Abweichung gegenüber dem Namen Joachim ist noch vergleichsweise gering. Zunächst wurde nur am Beginn des Namens das „J“ durch das „I“ ersetzt, dann am Wortende das „m“ durch die Silbe „ni“. Jedenfalls zeichnet sich darin schon ab, dass die Nachnamen entsprechend den Dekreten über die Ausweisung der jüdischen Bevölkerung geändert werden mussten und so der Name Iaccino entstand. Denn die Juden, die bleiben wollten und konnten, mussten Glauben und Namen ändern.


Der Convento San Domenico (4) bildete  für Jahrhunderte das untere Ende des Ortes, zugleich könnte das Kloster eine Art Wachstation auf dem Weg von Cosenza in die Sila gewesen sein.

Das Dominikanerkloster wurde 1545 am unteren Ortseingang errichtet, dort, wo man Celico betrat, wenn man auf dem Weg des Cannavino von Cosenza heraufkam, der auch vom jungen Joachim begangen wurde für seine Gänge in die Stadt.

Der Weg beginnt in der Stadt Cosenza, zu Füßen des Hügels Guarassano, wo sich Joachim nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land niederließ und wo er von einem Bewohner seines Heimatortes wiedererkannt wurde. Und an diesem Weg traf er sich auch mit seinem Vater, dem er dann seine Entscheidung für das klösterliche Leben mitteilte.

Der Weg, der schon in griechischer und römischer Zeit begangen war, auch im Mittelalter und danach, war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts einer der Hauptwege in die Sila Grande. Folglich wurde er auch von Joachim benutzt, wenn er nach den Zeiten der Askese in den Silabergen seine Schritte Richtung Cosenza richtete.

Die Errichtung des Klosters am Eingang zum Dorf ist sicher nicht zufällig und hat vermutlich ihre Beweggründe in der Notwendigkeit einer starken Kontrolle über die Reiseroute und über den Zugang zur Sila. Verschiedene Konvente des gleichen Ordens sind unter ähnlichen Gesichtspunkten errichtet worden.

Als Kloster fungierte das Gebäude bis 1809, als die französischen Autoritäten seine Schließung verordneten.

Ab 1848 wurden die Gebäude des Konvents verwendet als Sitz einer „Accademia Filarmonica“,, die sich ‚Circolo del Cannavino‘ nannte. Sie wurde von den Liberalen der Gegend gegründet als Tarnung für die tatsächlichen politischen Aktivitäten der anti-bourbonischen Aktion. Zu ihr gehörten Leute aus Celico, Spezzano Grande, Rovito und Lappano.

Später war der Konvent Sitz eines Gefängnisses, und dies blieb auch so nach der Einigung Italiens bis 1920, als nach 20jähriger unschuldiger Haft Gaetano Arnone entlassen wurde, ein Mann aus Rovito, der des Mordes angeklagt war, dann aber freigelassen wurde, weil der wirkliche Mörder auf dem Totenbett die Tat gestanden hatte. Während des Kampfes gegen das Brigantentum war hier im Frühjahr 1862 auch Ciccilla di Macchia aus Spezzano Piccolo inhaftiert. Mit der Schließung des Gefängnisses begann der langsame, aber stetige Niedergang des Gebäudes, so dass heute nur noch einige Reste übrig sind, vor allem Grabstätten und unterirdische Gänge.


Jovinise (5) heißt ein alter Wachturm, er steht dort, wo sich der Weg herauf von Cosenza am Cannavino teilt in den Weg Richtung Celico und den Weg in Richtung Spezzano.

Iovinise stellt eine wichtige Station am Weg des Cannavino dar, liegt ideal, erhöht gelegen im Verhältnis zu den Wasserläufen, niedrig gelegen im Verhältnis zu den umliegenden Bergen, die den Ort hufeisenförmig schützend umschließen. Die Örtlichkeit ist von Bauresten übersät, die teilweise auch an der Oberfläche gut erkennbar sind, Reste einer antiken wasserreichen Anlage, deren Ruinen eine gründliche archäologische Betrachtung verdient hätten. Aber schon im jetzigen Zustand lässt sich annehmen, dass es sich um eine Ansiedlung aus langobardischer Zeit handelt, während der Name Iovinise auf eine heidnische Anlage hinweist, die dem Jupiter geweiht war, möglicherweise lange vor der langobardischen Epoche.

Der Weg des Cannavino – Il sentiero del Cannavino

In den Zeiten des Joachim gehörte der Steuerbezirk von Celico zur Universitas Casalium, der Vereinigung der Gehöfte und Dörfer, die zusammen mit der Stadt Cosenza die Jurisdiktion für die Sila bildete. Die Universitas Casalium hatte ein Parlament, das aus Vertretern der Stadt Cosenza und der umliegenden Casali gebildet wurden. Das Parlament versammelte sich gewöhnlich in der Chiesa Madre in Cosenza.

Der alte Weg, der herauf nach Celico führt, beginnt in Cosenza nahe dem Quartier Guarassano, überquert dann den Cannavino und klettert dann acht Kilometer lang hinauf bis Juvinise oder Torre Iuvinise bei Celico, oberhalb der Stelle, wo der Cannavino sich mit einem Bach von Macchia her vereinigt. An diesem Punkt teilt sich der Weg in zwei Richtungen: Zum einen führt er nach Spezzano Sila, Macchia di Spezzano Piccolo sowie nach Casole Bruzio, zum anderen führt er nach Celico und von dort aus in die Sila.

Der Weg war schon in griechisch-römisch-antiker Zeit begangen, das lässt sich an einigen gepflasterten Abschnitten festmachen, und vor allem an der antiken Brücke Ponte di Orlando, die aus römischer Zeit stammt.

Am alten Weg entlang waren mit Sicherheit einige Türme verteilt, die als Raststationen dienten, die aber auch als Orientierungspunkte und zur Weiterleitung von Nachrichten dienten, ein System, das die Griechen perfekt beherrschten. Von Turm zu Turm wurden per Feuersignal verschlüsselte Nachrichten übermittelt. Auf diese Weise konnte von Cosenza aus der Zugang zur Sila kontrolliert werden. Entsprechend lassen sich einige Türme zuordnen, die zu diesem System dienten: Da ist der Torre Fabiano, dann findet sich ein entsprechendes Exemplar noch heute in der Ortschaft Pianette in der Gemeinde Rovito; weiter gibt es den Torre Iuvinise, ein Bauernhaus, zunehmend im Verfall begriffen, auf einem soliden Felsen, dann zählt dazu der rechte Turm des Elternhauses von Joachim, der schon vor dem Bau der kleinen Burg bestanden haben könnte, weiterhin in Zirulli ein Turm, der dann allmählich im 14. oder 15. Jahrhundert zu einer Burg ausgebaut wurde, und schließlich der Turm ganz oben in Acquafredda. Dieser letztgenannte war der höchste, auf einer Höhe von 1537 Metern Höhe ü.d.M. Die Reste dieses Turms bezeichnet E. Arnoni als respektable Burg, „ von der in unseren Tagen nichts als minimale Überreste erhalten sind … in ferner Zeit von den Sibaritern erbaut, als sie in den Kampf gegen Krotoner zogen.“

Der Weg erscheint in den alten Joachim-Biografien. In seiner Vita ist – nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land – ausdrücklich von Guarassano die Rede, dem Quartier östlich von Cosenza, in dem er ankommt, und es wird berichtet, dass an diesem Weg, in einem Obstgarten nicht weit von Celico, vielleicht in den heutigen Pianette di Rovito, Joachim sich mit dem Vater getroffen habe. Bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts war dieser Weg die einzige Möglichkeit der Kommunikation zwischen Cosenza und den Casali von Rovito, Celico, Spezzano Sila und Spezzano Piccolo. Der erste Trakt der Staatsstraße 107, der von Cosenza nach Pianette di Rovito führt, wurde 1845 eingeweiht; und schon 1865 wurden die Arbeiten weitergeführt bis nach Spezzano della Sila.


An der Fontana Vetida (6) hat sich mit Sicherheit auch die Familie von Joachim mit frischem Wasser versorgt.

Noch immer ist die Überlieferung lebendig, die besagt: Johannes Joachim, der künftige Abt von Fiore, kam in seiner Kindheit und Jugend zur Fontana Vetida, ebenso seine Familie.

Die Überlieferung ist glaubwürdig wegen der Nähe zu seinem elterlichen Haus sowie wegen der Bezeichnung Vetida, die sich aus dem lateinischen vetus, also alt, herleitet und auf eine sehr frühe Existenz der Quelle hindeutet. Zudem weist die Quelle typische mittelalterliche Charakteristik auf, vor allem im Innern der Brunnenstube, wo noch die alten Wände vorhanden sind. Die Fontana Vetida entspringt im Vallone delle Rose (Tal der Rosen) am Bach Mulinelle.

Die Zugangsstraße ist die antike via Fontanelle, welche die Güter von Celico mit denen von Spezzano Grande verband. Via Fontanelle (Pluralform) heißt nicht zufällig so: An der gleichen Straße liegt auch die Fontana dell’Acqua Ferrata in Spezzano Grande. Beide Quellen würden eine archäologische Würdigung verdienen, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven.

Die Fontana Vetida, genutzt noch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, war nach einem schweren Erdrutsch für rund 40 Jahre aufgegeben. In den 90er Jahren wurde sie wieder in Gebrauch genommen, aber nicht restauriert. Sie war dann wiederum von einem neuen Erdrutsch betroffen und vollkommen verschüttet, und nun wurde sie vor einiger Zeit wieder zugänglich gemacht.


Das Denkmal von Joachim von Fiore (7) findet sich über dem Eingang des oberen Tunnels der Schnellstraße.

Im Jahr 1965 wurde das Denkmal für Joachim von Fiore von Bürgermeister Vincenzo Intrieri in Auftrag gegeben. Im Jahr 1968 wurde die etwa 3 Meter hohe Bronzeskulptur in Anwesenheit des israelischen Botschafters eingeweiht. Ursprünglich sollte sie auf einen 15 Meter hohen Sockel aus Steinen und Beton gestellt werden. Am Vorabend der Einweihung wurde sie hochgezogen mit Hilfe von Tauen und Seilwinden, doch der erste Versuch misslang, weil die Seile dem großen Gewicht der Statue nicht gewachsen waren. Der Fall verursachte größere Schäden, die noch in der gleichen Nacht von örtlichen Handwerkern behoben werden mussten.

Die Vorstellungen, wo die Statue am besten in das Landschaftsbild passen würde, änderten sich in den weiteren Jahren wiederholt, so dass die Statue weitere Ortswechsel erfuhr. In den 80er Jahren wurde sie in der Villa Communale aufgestellt, wo sie bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts blieb. Letztendlich gelangte sie an den heutigen Standort und ruht nun auf einem 5 Meter hohen Sockel, den der örtliche Bildhauer Alfredo Granata aus Granit von der Sila geschaffen hatte.

 

Cesare Baccelli (geb. 1928 in Lucca, gestorben 1987 in Rom) zog aus der heimatlichen Toskana in den 60er Jahren nach Cosenza. Dort eröffnete er seine Werkstatt und lehrte Skulptur am Liceo Artistico Umberto Boccioni. Er stellte aus in Rom, Bari, Molfetta, Florenz, Modena, Montecatini, Taranto, Milano, Cosenza, Catanzaro, Latina und Castrovillari. Er erhielt Preise in Cosenza, Pizzo, Catanzaro, Guardia Piemontese, Ancona, Perugia und Rom.

Als Kunstwerke finden sich von ihm in Cosenza „Die Friedenstauben“, früher Piazza Kennedy im Zentrum, später auf der neuen Piazza G. Mancini, außerdem das „Monument für die bei der Arbeit ums Leben Gekommenen“ auf der Piazza B. Zumbini, weiterhin das „Denkmal für die fünf im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs ums Leben gekommenen fünf Schüler“, früher einmal auf der piazza Spirito Santo, dann von dort entfernt und auf mysteriöse Weise verschwunden. Am Sitz der Provinz gibt es drei Büsten von Militelli, Gullo und Guarasci. Er ist auch der Schöpfer einer Erinnerungsmedaille an Papst Leo XIII. und an G. De Cardona. In Campana gibt es eine Figurengruppe in Erinnerung an Aldo Moro und das Attentat von via Fani im Jahr 1978.


 

 

Vom Denkmal aufwärts gehend kommt man zu Ort und Kirche San Nicola (8).

Die Kirche von San Nicola di Bari wurde laut einer Inschrift auf einem Türbogen um 1518 errichtet. 1602 war sie wohl betroffen von weitergehenden Arbeiten, so bezeugt durch eine weitere Inschrift auf dem Bogen des ersten Gewölbes im Schiff. Als ein weiteres Datum wird auf einem Bogen des Haupteingangs 1618 genannt. Die romanische Kirche ist dreischiffig, das Mittelschiff mündet in die Apsis und war einmal von einem Kreuzgewölbe bedeckt. Von größerer Bedeutung ist der Chor und der hölzerne Hochaltar, überragt von einem Oval mit einem Bildnis des ewigen Vaters, anonym, aber von großem künstlerischem Wert.

Der Kult des heiligen Nikolaus von Bari (geboren Patara in Lykien 270, gestorben in Myra 343) bekannt auch als heiliger Nikolaus von Myra, San Nicola di Lorenesi, San Nicola Magno, San Niccolò e San Nicolò, verbreitete sich vor dem 6. Jahrhundert zuerst in Kleinasien. Allmählich gelangte die Verehrung auch in die slawisch-byzantinische Welt, dann auch in den Westen. Im Mittelalter war er einer der populärsten Heiligen, Hauptfigur vieler frommer Volkslegenden, in denen er Wunder wirkte zum Wohl der Armen und Unterdrückten. Im Süden, und also auch in Kalabrien, verbreitete sich seine Verehrung vor allem durch byzantinischen Einfluss, so wie auch die Verehrung des Erzengels Michael, von Santa Sofia und weiteren Heiligen, die bis heute von den Orthodoxen und den griechisch-katholischen Christen verehrt werden. Natürlich wird er auch verehrt von der Katholischen Kirche und anderen Christlichen Kirchen.

In Celico werden Heilige byzantinischen Ursprungs an verschiedenen religiösen Orten verehrt: San Michele, Santa Sofia, Madonna di Costantinopoli, San Nicola. Auch die Ortsbezeichnung „Patia“ weist auf byzantinischen Ursprung hin. Eine typisch byzantinische Tradition ist auch der Brauch, dass bei der alljährlichen Prozession der Madonna del Carmine keine Statue, sondern ein Bild mitgetragen wird.

Le Paganelle

Die älteste und am besten dokumentierte jüdische Präsenz in Celico scheint diejenige des Quartiers Calderazzi zu sein, aber wahrscheinlich hatten auch die Quartiere Zirulliu (chiusa della seta) und Minnitu eine nennenswerte jüdische Bevölkerung. Minnitu ist das höchstgelegene Quartier von Celico und lag in alten Zeiten abseits vom Rest des Ortes.

Die Ortsbezeichnung, so informiert uns Vincenzo Padula, ist die gleiche wie die eines Ortes in Palästina, die im Alten Testament mit Minnit oder Minnith zitiert wird, will heißen „vom Glück als Geschenk gegeben und bestimmt“.

In Minnitu, hinter der jetzigen Kirche San Nicola, die um 1518 erbaut wurde, gab es ein Gelände, das Le Paganelle hieß, ein klarer Bezug zu den jüdischen Bewohnern, die ‚pagani‘ (Heiden) genannt wurden, weil sie keine Christen waren. In diesem Gebiet gab es auch ein Gräberfeld, doch alles ist vollkommen verschwunden infolge der Bauarbeiten am Pfarrhaus und an der Sakristei der Kirche, wird aber von vielen erinnert als ein Ort, wo nichtgetaufte Personen bestattet wurden.

Die Epoche des Kirchenbaus könnte denken lassen an einen sakralen jüdischen Bezirk, der auf der Höhe der antijüdischen Kampagne beschlagnahmt und zerstört wurde, kurz bevor das endgültige Ausweisungsdekret für die jüdische Bevölkerung erlassen wurde, und dann wurde auf eben diesem Gebiet die jetzige katholische Kirche errichtet.


De Gloria Paradisi (9) heißt ein Gedicht von Joachim, das viele Bilder aus der Natur aufgreift. Der Weg ins Grüne lässt diese Bilder lebendig werden.

Auf dem Weg, der im Mittelalter und schon früher von Celico hoch in die Sila führte, durch Zirulli hindurch, gelangt man oberhalb des Ortes zu den wenigen Ruinenresten von Patia, einem Gebiet byzantinischer Ansiedlungen oder auch Einsiedeleien, so ist es im Straßenverzeichnis der Gemeinde Celico von 1891 beschrieben, nach oben begrenzt durch die Kirche Santa Sofia, heute Kirche der Madonna della Catena. Geht man dann weiter auf der zum Flüsschen Cannavino sanft abfallenden Straße, gelangt man an einen Ort, wo noch heute die Ruinen einer uralten Brücke zu sehen sind, möglicherweise aus römischer Zeit, eng und mit einer spitzen Erhebung, ein Typ von Brücke, der auch ‚Eselsrücken‘ genannt wird, der ‚Ponte di Orlando‘. Dies könnte der originäre Schauplatz sein, an dem die imaginäre menschliche Person in Joachims Gedicht ‚De Gloria Paradisi‘ „ jenseits des Fegefeuers des Lebens über die Brücke des letzten Urteils ihren Aufstieg beginnt.“ Dieses irdische Leben diesseits des Flusses wäre also das Fegefeuer, jenseits würde das Paradies beginnen, und die Brücke stellt dann das Gericht dar. Die Brücke wäre gleichzeitig Symbol der Verbindung oder Trennung zwischen der irdisch-säkularen Welt und seiner mystischen Berufung, sich auf die Höhen der Sila zu begeben und sich dem klösterlich-kontemplativen Leben zu widmen.

Die Brücke überquert das Flüsschen Cannavino, das natürlich nicht „rauchend von Feuer und kochend vor Schwefel“ ist wie der Fluss im Gedicht, aber das, was aus dem Silagebirge hervorsticht und Celico überragt, was auch noch heute ‚Fondente‘ genannt wird, das ist auf einem alten Wandgemälde in Calderazzi als ein Vulkan dargestellt.

Jenseits der Brücke ist der paradiesartige „campus amoenissimus“, Destro genannt wegen seiner optimalen Lage, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts reich an Obstbäumen und Weinbergen, verstreut auf diesem Hügel, über den der Weg weiterführt bis zu den Abhängen des Monte Fondente. Hier gibt es eine „weite Hochebene“, wo „zwischen verschiedensten Kräutern und grünen Gärten“ „sich die Läufe unzähliger Bäche schlängeln, die sich hier und da verzweigen und wiedervereinen“ und die alle aus dem alten Vulkan hervorquellen. Hier entspringen auch die Trinkwasserquellen für die Bewohner von Celico und die Bäche, aus denen der Cannavino sich speist.

Die Gegend wird Margherita genannt, entsprechend dem lateinischen Terminus Margarita, was Perle bedeutet und auch von Joachim in seinem Gedicht verwendet wird. In der Nähe von ‚Margherita‘ befindet sich Castelluzzi, und weiter oben der „Riesenstein“, eine antike Stätte, nach E. Arnoni möglicherweise „wenige Überreste“ einer sibaritischen Burg. Hier vermutet der Autor den „himmlischen Sitz“, von dem im Gedicht die Rede ist.

 

Das Märchen von Margherita

Die fantastische Geschichte von Margherita erzählt von einem Mädchen des Ortes, das vor langer und unbestimmter Zeit auf den Bergen oberhalb des Ortes seine Herde weidete. Eine nicht näher bezeichnete Gruppe von Männern näherte sich dem Mädchen und fragte es, ob es einen Schatz bewachen könnte. Das Mädchen, von einfachem Gemüt, erklärte sich dazu bereit, aber an dieser Stelle fährt die Erzählung seltsamerweise fort mit der Tötung des Mädchens und damit, dass sein Geist in einer Höhle noch immer einen riesigen Schatz bewacht.

Die antike mythologische Erzählung dürfte ausführlicher gewesen sein, es ging also wohl einiges im Lauf der Zeiten verloren, und so gab es Raum für klassische mythologisch-märchenhafte literarische Formen, die den moralischen Erfordernissen darauffolgender Epochen Rechnung getragen haben.

Was vom ältesten und authentischsten Teil der volkstümlichen Erzählung bleibt, ist alles in diesen wenigen Anfangszeilen enthalten, im Opfer einer Jungfrau, die übernatürlichen Mächten dargebracht wurde, welche nichts anderes sein konnten als die Inkarnation von archaischen Ängsten.

Es war wohl ein Opfer, das im kollektiven Gedächtnis haften blieb, vielleicht wegen der Umstände oder der besonderen Grausamkeit, mit der das Opfer dargebracht wurde, oder wegen des Zusammentreffens mit tragisch-schlimmen und unerklärlichen Naturphänomenen.

Mit der Erzählung sind einige Örtlichkeiten verknüpft. Margherita ist der Ort auf dem Gipfel des Monte Fondente, wo es einen riesigen Monolythen (=einzelner Felsbrocken) gibt, der quasi die Höhle verschließt, in der die Hirtin den Schatz bewacht; unweit davon befindet sich die ‚Fonte del Drago‘ (Drachenbrunnen), was ein Hinweis darauf sein könnte, dass das Bedrohliche die Gesichtszüge einer großen Schlange angenommen hat. ‘Pietra del Corte‘ hingegen ist der Ort weiter unten am Flüsschen, der in der Erzählung unmittelbar genannt wird.

Die Originalität und Schönheit des Märchens von Celico, im Vergleich zu anderen Erzählungen wie die von der „Schönen Schlafenden“, aber auch im Vergleich zu Märchen insgesamt, liegt besonders im Finale. Im Unterschied zu anderen Märchen wird Margherita von niemandem befreit, kein Prinz kommt, um sie zu erlösen. So wird der Leser herausgefordert, sich der Geschichte anzunehmen und sie tatsächlich zu einem glücklichen Ende zu bringen.


Rund einen Kilometer braucht es, um die Brücke Ponte di Orlando (10) zu erreichen. Sie regte wohl mit ihrer Lage im Tal des Cannavino die theologisch-philosophische Phantasie des Joachim an.

Geht man von der Kirche Santa Sofia weiter, am Friedhof vorbei, auf der zum Flüsschen Cannavino sanft abfallenden Straße, gelangt man an einen Ort, wo noch heute die Reste einer uralten Brücke zu sehen sind, möglicherweise aus römischer Zeit, eng und mit einer spitzen Erhebung, ein Typ von Brücke, der auch „Eselsrücken“ genannt wird, der Ponte di Orlando. Die Brücke wurde so genannt nach der wenige Schritte entfernten gleichnamigen Mühle. Sie brach ein in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Ansatz eines Brückenbogens ist noch zu erkennen. Die Bauweise lässt auf römischen Ursprung schließen, darauf weist die Ähnlichkeit mit einer Brücke aus römischer Zeit in Aprigliano hin. Auf den römischen Ursprung könnte auch ein Stück gepflasterten Weges mit Seitenmauern hindeuten. Auf jeden Fall ist Joachim häufig über diese Brücke gegangen; sie gehörte zu seinem persönlichen Schatz an Bildern.

Diese Brücke mit ihrem ‚diesseits‘ und ‚jenseits‘ könnte der originäre Schauplatz sein, an dem die imaginäre menschliche Person in Joachims Gedicht ‚De Gloria Paradisi‘ „ jenseits des Fegefeuers des Lebens über die Brücke des letzten Urteils ihren Aufstieg beginnt.“ Dann wäre diesseits der Brücke das irdische Leben im Fegefeuer, und jenseits wäre dann das Paradies. Die Brücke würde dann das Gericht symbolisieren, durch das die menschliche Seele geht. Die Brücke trennt oder verbindet idealerweise die weltlich-säkulare Welt des Joachim mit seiner mystischen Berufung, über diese Brücke begibt er sich auf die Höhen der Sila, widmet sich dem klösterlich-kontemplativen Leben und gründet einen neuen Orden, geleitet vom Willen zur Erneuerung und von der Hoffnung.

Jenseits der Brücke ist der paradiesartige „campus amoenissimus“, Destro genannt wegen seiner optimalen Lage, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts reich an Obstbäumen und Weinbergen, verstreut auf diesem Hügel, über den der Weg weiterführt bis zu den Abhängen des Monte Fondente.


Chiesiula (11) wird die Kirche SS. Annunziata genannt. Möglicherweise war an diesem Ort im Mittelalter ein Kontrollpunkt, bevor der Weg weiter hoch in die Sila ging.

Die kleine Kirche SS. Annunziata oder Chiesiula wurde mit Sicherheit vor 1578 erbaut; dieses Datum ist im Tuffsteinbogen des Portals eingraviert. Die Datierung betrifft wohl eine architektonische Verbesserung. Dann wird die Kirche ausdrücklich erwähnt von Santo De Guerra in seinem Testament, erstellt am 2. Juni 1494 vom Notar Casaleno. Die Kirche ist einschiffig und der Verkündigung an Maria gewidmet, eher bekannt unter dem Namen Chiesiula.

Ihre Lage nahe dem Castello Grisolia und dem Quartier Motticella führt zu der Annahme, dass sie ursprünglich dem in der Anjou-Zeit erbauten Castello dienlich sein sollte. Nach und nach, als die spanischen Aragonesen folgten, ging sie zusammen mit dem Castello in den Besitz der Familie Guerra über.

An der Stelle, wo sie erbaut wurde, am Rand des bewohnten Gebiets, an der alten Straße in die Sila, im Herzen von Zirulli, gab es schon sehr früh einen antiken Turm , der dann ins Castello integriert wurde. Hier könnte ein Kontrollposten für den Weg zur Sila und von der Sila gewesen sein.

Jenseits dieses Gebiets gab es im Mittelalter nur die bescheidenen Behausungen der byzantinischen Eremiten, die sich heute in der Landschaft verloren haben.

 

Eugenio Arnoni

Eugenio Arnoni wurde in Celico von Antonio Arnoni und Maria Perfetti am 31.07.1846 geboren. Sehr jung ging er schon ins Seminar, wurde Priester und dann von der Diözese Cosenza nach Rossano geschickt. Hier lernte er eine Frau kennen, verliebte sich in sie, verließ seine religiöse Berufung und heiratete sie. Sie hatten zwei Kinder. Er unterrichtete Literatur in verschiedenen höheren Schulen von 1874 bis 1890. 1890 wurde er zum Honorarprofessor für italienischen Literatur an der Universität von Filadelfia (USA) ernannt. Er war Mitglied verschiedener Akademien im In- und Ausland. E r starb in Rom, wo er an der Biblioteca Vittorio Emmanuele beschäftigt war, am 6. November 1909. Er schrieb „La Calabria Illustrata“, einen Roman, Gedichte, beschäftigte sich aber auch mit Studien zur italienischen Sprache, mit unveröffentlichten Briefen von Foscolo und mit Petrarca. Der alte Palazzo Arnoni liegt an der nach ihm benannten Straße.

Aus „La Calabria Illustrata“ von Eugenio Arnoni Bd. IV:

Es spricht Celico:

„… eine alte Brücke im gotischen Stil, genannt „Ponte di Orlando“, über den Fluss Cannavino, die zwischenzeitlich eingestürzt ist, und ein beachtliches Castello, von dem in unseren Tagen wenige Überbleibsel existieren, angelegt auf der Höhe des Silaberges Acquafredda, Werke, die von den Sibaritern errichtet wurden, als sie sich in die bruzischen Wälder aufmachten, um gegen die Krotoner zu kämpfen. Im Laufe der Zeit wurde aus ‚silva‘ ‚ Sila‘, genauer in dem Ortsteil, der aufgrund des Geschehenen Mala-Rotta genannt wurde, genauer Molarotta, das zeigt deutlich, dass noch bevor die Bürger aus Cosenza kamen, um diese Gegend wieder zu bevölkern, hier bereits bewohntes Land existierte, und dass hier die Fanfarenstöße der Trompeten und das Waffengeklirr verschiedener Völkerschaften zu hören waren, die untereinander Krieg führten.“


Zirulli - Celsito (12) sind Orte, die in besonderer Weise an das jüdische Leben im Ort erinnern. Besonders die "Gelsi", die Maulbeerfeigenbäume weisen auf die Seidenraupenzucht hin, die vor allem jüdische Familien betrieben haben.

Ein wichtiger Hinweis auf die jüdische Präsenz ist die weite Verbreitung der Seidenraupenzucht in Celico bis ins 19. Jahrhundert. So bedeutend war in der Vergangenheit die wirtschaftliche Bedeutung dieser Aktivitäten, dass der Catasto Onciario von 1743 für die Bestimmung des produzierten Reichtums die Zahl der im Besitz einer Familie befindlichen Gelsi (Maulbeerfeigenbäume) heranzog und entsprechend besteuerte, was in verschiedenen Fällen bedeutete, dass auch ein einzelner Baum aufgeführt und besteuert wurde.

Das Gewerbe war typisch orientalisch, wie auch die Dialektbezeichnung ‚Siru‘ andeutet, was heißt, dass dieser Erwerbszweig von Syrien her kam; und wie auch bei der Färberei widmeten sich dieser Aktivität vor allem Juden.

Ein Quartier von Celico führt seinen Namen auf diese Bäume zurück: Celsito. Sein älterer Name aber könnte auf einen Bezirk hinweisen, der als enger Streifen innerhalb der heutigen Siedlung gleichen Namens liegt, das ist Zirulli, was nach Vincenzo Padula auf hebräisch “Seidenklause“ (chiusa di seta) heißen könnte.

Zirulli wäre also nichts anderes als der alte Name von Celsito, denn beide Bezeichnungen beziehen sich auf die Seidenraupen, die sich ausschließlich von den Blättern des Maulbeerfeigenbaumes (gelso nach 1700, celso vor 1700) ernähren. Der Ortsname Celsito wird heute nicht mehr verwendet, er taucht nur noch in dem Namen der Hauptstraße des Viertels auf, der via Gelsito.

Wenn Celsito das Viertel der Seidenraupenzucht war, so kann man annehmen, dass es dort eine namhafte jüdische Präsenz gab - außer der noch älteren in Calderazzi. Das Quartier Celsito umfasst praktisch das ganze Viertel oberhalb der Kirche San Michele, ohne Minnitu. Zirulli, das zu Celsito gehört, beschränkt sich aber auf die Zone unterhalb des Castello Grisolia, schließt Motticella mit ein, unmittelbar im Schutz des Castello, sowie Pezzulla Sottana.

Gerade die Präsenz von Motticella, das sich von einem französischen Begriff für ein Agglomerat von Häusern im Schutz eines Castello herleitet, stellt eines der konkreten Elemente dar, welche eine beachtliche Entwicklung des Quartiers während der französischen Herrschaft der Anjou bewirken. Eine Entwicklung, die sich während aragonesischen Herrschaft fortsetzte mit dem Bau von vornehmen Palazzi im Schutz des Castello Grisolia (Anoni, Serra, Morelli, Rodi). Wahrscheinlich hängt damit auch die Öffnung des Seitenportals der Kirche San Michele im Jahr 1514 zusammen.


Die Chiesa S. Michele Arcangelo (13) ist die Pfarrkirche; in der Vorgängerkirche wurde wohl Joachim getauft. Möglicherweise finden sich Spuren des alten Baus unter der heutigen Kirche.

Die Pfarrkirche von San Michele Arcangelo bzw. ihre Vorgängerkirche ist der Ort, an dem der Abt Joachim getauft wurde. Eine Inschrift auf der Fassade aus dem Jahr 1905 erklärt: Sacra haec aedes erat ante anno 1100 in quo floruit Abb. Joachim Patritius, magno terremoto concussa an 1905 restaurata Ap. Convincentius Granieri an. 1906. (Dieses heilige Bauwerk existierte vor dem Jahr 1100, in dem Abt Joachim erblühte, von einem schweren Erdbeben im Jahr 1905 beschädigt wurde es 1906 von Convincentius Granieri restauriert..)

Nach Gustavo Valente fand sich diese Inschrift auch im Chor: ‚D.O.M Tempium hoc longe ante decimum Nostrae Reparationis seculo celestis militie Principes erectum, in quo, regenerationis Sacramento abluti fuere Ioachim Abbas Florensis Sanctitate, Doctrina, et prophetia dono clarus.‘ Sie ist heute nicht mehr vorhanden; man kennt auch nicht die Datierung, aber wir wissen von Vincenzo Gervaise, dass im Chor, über der Orgel, die Gestalt des Joachim als Relief gestaltet war. Die Kirche ist dreischiffig mit dem Grundriss einer Basilika; das Presbyterium befindet sich unter einer Kuppel, die dort errichtet wurde, wo sich die antike Apsis befand. Diese letzte Veränderung wurde mit Sicherheit nach 1787 ausgeführt, dem Jahr in dem die Wandgemälde an den Seitenwänden entstanden. Der alte Glockenturm, der wohl nahe der Apsis stand, wurde dann im 17. Jahrhundert vor der Fassade errichtet.
An der Decke findet sich ein Gemälde von 1787 von Cristoforo Santanna; es stellt den Erzengel Michael dar, und auf dem Altar findet sich ein Bild, welches die himmlische Madonna mit dem Kind in der Glorie zeigt sowie die Heiligen Jakobus den Älteren und Johannes den Täufer, gemalt von Dirck Hendricks, genannt Teodoro D’Enrico il Fiammingo. Außerdem findet sich in der Kirche ein hölzernes Kruzifix, entstanden um das 15. Jahrhundert.

Zum Kirchenschatz gehört auch ein antiker Glaskelch aus geblasenem Glas und teils vergoldet, der seit jeher in der Kirche aufbewahrt wird, und weil er aus Glas ist, dachte man, dass er möglicherweise aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus stammen könnte. Zusätzlich gibt es ein Dokument, das folgenden Inhalt hat: Calix iste vitreus – In hac decora Parochiali Celicensi Ecclesia – tanquam ipsius antiquitatis monumentum – servatur eius di grippe Calycibus in quarto jam – Nostre reparate salutis, seculo Romana Ecclesia tunc in libertate permanenti – in sacris faciendis – uti mos fuit.

Nach einer Analyse durch Giorgio Leone scheint es sich um einen Kelch aus der Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts zu handeln. Besonders interessant scheint die Tatsache, dass die Analyse bestätigt, dass der Kelch „eine liturgische Bestimmung erhalten habe.“ Es handelt sich also um einen Kelch, der wirklich im liturgischen Gebrauch war.

Kelche aus Glas wurden zugelassen durch den Hl. Zeffirino oder Zefirino, Papst von 198 (oder auch 199) bis 217 n.Chr. Wir befinden uns in der vorkonstantinischen Periode. Zefirino unterstützte die christologische Tendenz des gemäßigten Monarchismus gegen die des Adoptionismus und des dynamischen Monarchismus.

Gläserne Kelche wurden dann von seinem Nachfolger Urban I. sofort wieder verboten. Wäre der Kelch also wirklich aus dieser Periode, dann handelte es sich um einen unschätzbaren historisch- künstlerischen Schatz. Wäre er aber aus einer späteren Periode oder aus dem 16. Jahrhundert, dann bliebe das Geheimnis eines gläsernen Kelchs, der genutzt und eifersüchtig gehütet wurde in einer Epoche, in der er nicht als Kelch zugelassen war.