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Wandern auf den Spuren von Joachim von Fiore

 

Joachim und San Giovanni in Fiore

Gründungslegende der Abtei San Giovanni in Fiore

Seit er sich ins Kloster der Sambucina zurückgezogen hatte, sammelte sich Gioacchino da Fiore jeden Morgen im Gebet und kommunizierte mit dem heiligen Geist. Diesen bat er eines Tages, ihm den Ort für den Bau seiner Abtei zu erkennen zu geben, wo er den Grundstein für seine Abtei legen sollte. Der heilige Geist erwiderte: Morgen wirst du zwei junge schwarze Ochsen vor einen Pflug gespannt sehen, folge ihnen mit Demut und im Gebet, denn sie werden dir den Ort zeigen, den du suchst.

Am nächsten Morgen fand Gioacchino wirklich vor dem Portal des Klosters ein Paar schwarze Ochsen, die an einen Pflug angespannt waren. Und so folgte er den Tieren, ununterbrochen betend, über Berge und durch die Wälder der Sila.... Die Reise dauerte mehrere Tage, während derer sich die Menschen zahlreich an Gioacchino anschlossen. ... Nachdem sie dichte Wälder durchquert hatten ... lenkten die Ochsen auf das "Tal der Junture" zu, und als es Abend wurde, ließen sie sich in einem Dorf namens Jure Nove nieder, das vom Verlauf der Flüsse Arvo und Neto begrenzt wird. ... Joachim und seine Begleiter dachten, das sei der Platz, um eine Einsiedelei zu errichten, in die sie sich vor der Kälte und zur Verteidigung gegen die Wölfe flüchten könnten. Doch nach einem halben Tag zogen die Ochsen von neuem los.

"Das ist nicht der richtige Ort, den der heilige Geist gewollt hat," sagte Joachim. Müde legte er sich nieder zum Schlafen. Doch am Morgen:
Da erschien ihm der heilige Geist in vollem triumphalen Glanz, wie die aufgehende Sonne,und sagte: "Dies ist der gesuchte Ort, und hier auf diesem Hügel wirst du meine Kirche erbauen, wo die Menschen die Waffen niederlegen werden, um den Spaten zu ergreifen und den Pflug zu führen." Daraufhin befahl der heilige Geist den Ochsen, mit dem Pflug ein großes Kreuz in die Erde zu ziehen, das der Grundriss der neuen Abtei sein sollte .... "Morgen beginnst du mit dem Bau eines großen Tempels, der Leuchtturm sein wird eines Glaubens der die Wege des Friedens, der Liebe und der Geschwisterlichkeit erleuchten wird, für die ganze desorientierte Menschheit." Weiter sagte der heilige Geist, um die Kirche herum entstehe ein Ort namens San Giovanni di Fiore. Sein Territorium wird ein Dreieck bilden, und es wird ein Ort der heiligen Dreifaltigkeit sein. Doch die Einwohner dürfen die Ufer des Neto und des Arvo nicht überschreiten,, andernfalls wird die Stadt in einem gewaltigen Erdbeben untergehen.
(Frei nach: Der Ort der Utopie, in: Giulio Palange, die Königin der drei Brüste, übersetzt und interpretiert von Julia Jäger, S. 123, Soveria Manelli 2000, sowie nach http://www.portalesila.it/storie-e-leggende-silane-di-saverio-basile/)

 

 

Die Legende von den Wassern des Pietra Grupata

In der Zeit als Joachim von Fiore Abt in San Giovanni in Fiore war, kamen viele Leute und stellten sich ihm vor, voller Durst nach Vergebung und nach Frieden für die Verbrechen, die sie in ihren Heimatorten begangen hatten. Vor allem aber kamen Handelsleute, die ihre Kunden betrogen hatten, oder Gegner der Herrschenden, die versucht hatten die Regierung zu stürzen. All diese Leute baten um Asyl im großen Kloster von Giovanni in Fiore.

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UNTERKUNFT IN S. GIOVANNI IN FIORE
Für Wanderer oder Pilger auf den Spuren des Joachim von Fiore könnte dies der richtige Ort sein: Gästehaus der Comunità Maria, also eines Klosters. Mehr unter http://ospitalitareligiosa.it/strutture/ad/comunita-maria,416

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Der fromme Abt Joachim empfing alle, allerdings machte er ihnen die Auflage, um ihre ausgedörrten Herzen zu reinigen, müssten sie sich in einer öffentlichen Zeremonie der Taufe unterziehen in Anwesenheit von Vertretern der Kirche. Also folgten die neuen Untertanen Joachim an einem Frühlingstag durch Täler und über Berge und Ebenen und erreichten einen schattigen Platz mit Namen Bonolegno, wo ein kolossaler Felsbrocken maestätisch aufragte, wie ein idealer Schrein, verborgen im dichten und undurchdinglichen Wald, auserwählt, um einen ruhmreichen Schatz zu hüten. Der wundersame Abt wandte sich dieser Mole zu, und mit fester Hand hob er den Knotenstock, wier ihn die Pilger benutzen, und sprach: "Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes!", und im Felsbrocken entstand eine Öffnung, aus der sprudelte mit harmonischem Rauschen reines und frisches Wasser. "Wer von diesem Wasser trinkt, wird von neuem Durst haben", sagte er. "Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben, vielmehr wird das Wasser, das er von mir empfängt, in ihm zu einer Wasserquelle werden, aus der ewiges Leben hervorsprudelt."

Also goss er so wie Johannes der Täufer  über den Kopf eines jeden das aus dem Fels austretende Wasser und vollzog so an ihnen das erste der sieben Sakramente.

Auf diese Weise besprengte der Abt Joachim die brennenden Seelen seiner neuen Untergebenen mit der Taufe der Vergebung und reinigte die in die Sila herbeigeströmten Sünder von jedem dunklen Fleck und von jeder Spur des Hasses.

Kaum hatte Joachim dieses Wunder der Erneuerung vollbracht, schlug er den Rückweg ein, gefolgt von den Erlösten, die fromme Hymnen anstimmten, während sich ein neues Wunder in ihrem Rücken vollzog. Der Abt jedenfalls bezeichnete mit dem gleichen Stock wie zuvor das Flussbett des Äquadukts, der das Kloster erreichen sollte, und das Wasser folgte der Linie gehorsam mit leisem Murmeln.
Das Wasser des Äquadukts, nach und nach Badiale genannt, kam praktisch gleichzeitig mit den Neugetauften beim Kloster an, so dass es die Erde reinwaschen konnte, auf der sich ein neues Völkchen entfalten sollte, dem Schutz des Täufers Jesu anvertraut, und von ihm erhielt diese erste Ansiedlung auch ihren Namen. San Giovanni in Fiore.

Seit diesem wundersamen Tag begeben sich die Einwohner von San Giovanni in Fiore in devoter Pilgerschaft an jedem Ostermontag zum Pietra Grupata, um sich zu reinigen und den Geist der Sünde und der Fehler abzuwaschen, und mit den Worten eines örtlichen Dichters von einst gemeinsam zu wiederholen:
"O Mensch, lass alles Törichte sein und höre: Wer von diesem Wasser schöpft, wird nicht sterben! Wer auch nur einmal von diesem Wasser trinkt, wird es getrunken haben für alle Ewigkeit."

Und der Brauch wird dann zum Anlass für eine fröhliche "Pasquetta" auf den Wiesen der Sila, die gerade beginnt zu blühen.

(Übersetzt aus: Saverio Basile, Leggende Silane, Saverio Basile Editore, San Giovanni in Fiore)