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San Giovanni in Fiore 2018  Impressionen

Von den 34 Grad Hitze kühlt sich die Temperatur auf frische 24 Grad ab, als ich von Crotone her kommend die SS 107 auf die Sila hochfahre. Unten die kargen Hänge der Vorsila, das ausgetrockenete Flussbett des Neto, dann oben die Kiefernwälder wie ein grünes Meer. Es hat in den Tagen zuvor geregnet, und jetzt wird die Sila ihrem Ruf gerecht, ein Paradies für Pilzsucher zu sein. Tatsächlich gehe ich im Wald keine fünf Meter ohne auf irgendeinen Pilz zu treffen.

Mein Ziel ist San Giovanni in Fiore, entstanden in Folge der Errichtung der Abtei San Giovanni in Fiore durch den Orden des Joachim von Fiore. Die Stadt liegt am Hang, und viele Wege führen von oben nach unten; der Weg zur Abtei ist gut ausgeschildert.

Die Abteikirche ist offen, wenig Leute, keine Aufsicht. Wuchtig wirken die hohen Seitenwände und lenken den Blick nach vorne auf die Fensterrose und die drei gotischen Fenster, Ausdruck der göttlichen Dreifaltigkeit. Kaum zu glauben, dass die Kirche bis 1948 vollständig barockisiert war.

 

 

 

 

 

   

Links:
Joachims Gebeine in der rechten Seitenkapelle der Abteikirche

  Rechts:
Tafel neben dem Sarkophag. "Hier ruht der Abt von Fiore, ein Tautropfen der himmlischen Gnade."
 
    Links:
Neben dem Eingang der Abteikirche ist ein kleines Museum mit den Motiven des Liber Figurarum eingerichtet. Seit Jahren wird es betreut von  Vittoria Urso, die es vor allem am Wochenende öffnet. Führungen in der Abteikirche übernehmen auf vorherige Anfrage junge Leute aus den Pfarreien, die in einer Gruppe mit Don Ruben organisiert sind.
  Eine wichtige Institution in San Giovanni in Fiore ist das Zentrum für Joachimstudien. Gegründet von Salvatore Oliverio, werden die Geschäfte heute vom aktuellen Präsidenten Riccardo Succurro geführt. Das Zentrum hat seinen Sitz in den Räumen der Abtei und veranstaltet alle fünf Jahre einen großen Kongress über Joachim von Fiore. Der momentane Sekretär überreicht mir als neuestes Werk ein Malbuch für den Schulgebrauch mit den Motiven des "Liber Figurarum".  
  In der Bar Michisci, nur wenige Schritte von der Abtei entfernt, finde ich in den Brüdern Luigi und Giovanbattista interessierte und hilfsbereite Gesprächspartner über Gegenwart und Zukunft der Stadt. Auch hier ist Joachim von Fiore stark präsent.  

Die beiden Jungunternehmer hoffen auf eine bessere Zusammenarbeit in der Stadt, damit sich etwas bewegt hin auf mehr Leben und vor allem auch mehr Arbeitsplätze.

     
      Ich frage die Leute:
Joachim von Fiore? Ja, kennt man schon, aber die Verehrung hält sich in Grernzen. "Bis vor 20 Jahren war da fast gar nichts, erst dann ging es langsam los."

Auch deshalb, weil das Kloster la schon seit Jahrhunderten nicht mehr von Mönchen bewohnt war und weil Joachim ja bisher nicht heiliggesprochen war. Und heute?
 

Im neuen Rathaus (unten) treffe ich Bürgermeister Giuseppe Belcastro (rechts). Er erzählt von den aktuellen Projekten der Stadt. Eine Statue von Joachim von Fiore soll vor der Abtei aufgestellt werden. Die Wiedereröffnung der Eisenbahn zwischen Camigliatello und San Giovanni in Fiore soll Besucher in die Stadt bringen. Nächstes Jahr hält das wichtige Zentrum für Joachimstudien, das sich in den Räumen der Abtei befindet, seine Tagung ab, die alle fünf Jahre stattfindet. Und es gibt Wanderwege zur Vorgängerabtei in Iure Vetere, einer davon ist schon hervorragend ausgeschildert. Und eine mögliche Heiligsprechung von Joachim von Fiore durch Papst Franziskus, die immer noch aussteht, würde die Stadt sehr begrüßen.

Homepage der Stadt San Giovanni in Fiore (in it.)

 
 

 

 

Rechts:
Eine schöne Geste ist die Solidaritätserklärung mit den 10 Opfern der Überschwemmung in den Schluchten des Raganello in Ostkalabrien im August 2018.

 
  Im Stadtbild gibt es originelle Versuche, sich als Stadt des Joachim von Fiore zu präsentieren. Am meisten profitiert im Moment die Juweliersfamilie Spadafora, eine von mehreren am Ort, sie hat die Motive aus Joachim's "Liber Figurarum" als Anregung für ihre Schmuckkollektionen aufgegriffen. Großplakatig werben sie für Ohrringe mit Motiven aus dem "Liber Figurarum".
Eine weitere Inspirationsquelle für die Juweliere ist der traditionelle Schmuck, der zur bis vor ca 20 Jahren  allgemein getragenen Festtagskleidung der Frauen gehörte.
 
 

 

 

 

 

Unmittelbar an der Abteikirche liegen die mit "Arte Povera" gefüllten Räume von Francesco Caloiero. Er stellt originelle Souvenirs her und hat zu Joachim und seiner Geschichte in vieler Beziehung seine eigene Meinung.

   

 

 

Auf den Höhen des Stadtparks treffe ich einige junge Leute um den Künstler Filippo Allevato, die dort im Wald Aufnahmen von Kunstwerken machen. Filippo lebt das Jahr über in Verona.

 

 

 

 

 

 

 

Unten:
Mehrere Murales weisen auf Joachim von Fiore als Gründer der Stadt hin.

   
 

 

       
  Gastronomische Erfahrungen   Übernachtung
 

In der Altstadt oberhalb der Abtei finden sich mehrere Restaurants. Allen gemeinsam ist, dass sie vor allem abends geöffnet haben.

Wer gerne etwas Warmes zu Mittag essen möchte, findet Pizzastücke, Panzerotti und Ähnliches in der Bar Michisci nahe der Abteikirche.

La Taverna del Gioacchimita
ist ein traditionelles familiengeführtes Lokal, gut besucht, hier genießt man solide traditionelle Küche. Hier habe ich mich sehr wohl gefühlt.
Auch Il Brigante ist gut besucht, so dass sich vor allem am Wochenende nicht leicht ein Platz findet, wird von einer jungen Mannschaft geführt.

Mehr oder weniger zufällig bin ich eines Abends aus Neugier in der "Casa Lopez" gelandet. Das Gebäude ist ein Palazzo, eher ein Castello mit dicken Mauern, ursprünglich Sitz der Familie Lopez, die wohl zur Zeit der spanischen Bourbonenherrschaft ins Land kam und eine wichtige Stellung im Ort hatte, obwohl sie keine Barone und auch sonst nicht adlig waren.

Ich hatte Hunger und wollte auf keinen Fall ein volles Menù verspeisen, das sagte ich auch gleich dem freundlichen Kellner und Koch, der mich hereingebeten hat. Ich war früh dran und der einzige Gast, aber dann wurde ich wirklich verwöhnt mit einem "Gruß aus der Küche" aus frittierten Zucchiniblüten, einem gut gefüllten Teller Pasta mit Salsiccia und geräuchertem geriebenen Käse und einem beachtlichen Salatteller, und das zu einem annehmbaren Preis.

Die "Casa Lopez" ist in vielen Räumen noch wirklich original erhalten, Küchengeräte an den Wänden, ausliegende Fotoalben vom Leben der Familie Lopez, eine wirklich urige Atmosphäre in historischen Gemäuern. Die beiden Geschwister, welche die "Casa Lopez" übernommen haben, wollen nun auch einige Zimmer für B&B herrichten.

Die Einheimischen wissen, dass das Bauwerk in einem wichtigen Moment der italienischen Geschichte eine Rolle gespielt hat, nämlich als Garibaldi aus Sizilien kommend in Kalabrien ankam mit fünfhundert Gefährten. Zu ihnen gehörten die Brüder Attilio und Emilio Bandiera aus Venedig, genannt "frattelli Bandiera". Die beiden wurden im Jahr 1844 verhaftet, in der Casa Lopez gefangen gehalten und später mit einigen anderen zusammen im Valle Rovito bei Cosenza hingerichtet. Das kam im befreiten und geeinten Italien natürlich nicht gut an.


  Es gibt in San Giovanni in Fiore Hotels vor allem im oberen, neuen Stadtbereich. An B&B gibt es bisher wenig, im Verzeichnis der Provinz taucht nur ein einziges auf.