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12. Zirulli - Celsito

 

Zirulli – Celsito

Ein wichtiger Hinweis auf die jüdische Präsenz ist die weite Verbreitung der Seidenraupenzucht in Celico bis ins 19. Jahrhundert. So bedeutend war in der Vergangenheit die wirtschaftliche Bedeutung dieser Aktivitäten, dass der Catasto Onciario von 1743 für die Bestimmung des produzierten Reichtums die Zahl der im Besitz einer Familie befindlichen Gelsi (Maulbeerfeigenbäume) heranzog und entsprechend besteuerte, was in verschiedenen Fällen bedeutete, dass auch ein einzelner Baum aufgeführt und besteuert wurde.

Das Gewerbe war typisch orientalisch, wie auch die Dialektbezeichnung ‚Siru‘ andeutet, was heißt, dass dieser Erwerbszweig von Syrien her kam; und wie auch bei der Färberei widmeten sich dieser Aktivität vor allem Juden.

Ein Quartier von Celico führt seinen Namen auf diese Bäume zurück: Celsito. Sein älterer Name aber könnte auf einen Bezirk hinweisen, der als enger Streifen innerhalb der heutigen Siedlung gleichen Namens liegt, das ist Zirulli, was nach Vincenzo Padula auf hebräisch “Seidenklause“ (chiusa di seta) heißen könnte.

Zirulli wäre also nichts anderes als der alte Name von Celsito, denn beide Bezeichnungen beziehen sich auf die Seidenraupen, die sich ausschließlich von den Blättern des Maulbeerfeigenbaumes (gelso nach 1700, celso vor 1700) ernähren. Der Ortsname Celsito wird heute nicht mehr verwendet, er taucht nur noch in dem Namen der Hauptstraße des Viertels auf, der via Gelsito.

Wenn Celsito das Viertel der Seidenraupenzucht war, so kann man annehmen, dass es dort eine namhafte jüdische Präsenz gab - außer der noch älteren in Calderazzi. Das Quartier Celsito umfasst praktisch das ganze Viertel oberhalb der Kirche San Michele, ohne Minnitu. Zirulli, das zu Celsito gehört, beschränkt sich aber auf die Zone unterhalb des Castello Grisolia, schließt Motticella mit ein, unmittelbar im Schutz des Castello, sowie Pezzulla Sottana.

Gerade die Präsenz von Motticella, das sich von einem französischen Begriff für ein Agglomerat von Häusern im Schutz eines Castello herleitet, stellt eines der konkreten Elemente dar, welche eine beachtliche Entwicklung des Quartiers während der französischen Herrschaft der Anjou bewirken. Eine Entwicklung, die sich während aragonesischen Herrschaft fortsetzte mit dem Bau von vornehmen Palazzi im Schutz des Castello Grisolia (Anoni, Serra, Morelli, Rodi). Wahrscheinlich hängt damit auch die Öffnung des Seitenportals der Kirche San Michele im Jahr 1514 zusammen.

Bibliografischer Hinweis:

Catasto Generale della Bagliva di Celico, fatto in questo anno 1743, a cura del Comune di Celico, trascrizione di

Luigi Intrieri, Tip. Chiappetta, Cosenza 2000

Oreste Dito, La Storia Calabrese e la dimora degli ebrei in Calabria, Ed. Brenner, Cosenza 1979

Vincenzo Padula, Protogèa, ossia l’Europa Preistorica, Stab. Tip. Di P. Androsio, Napoli 1871, Edizioni Brenner, Cosenza 1983

 

Bilder:

1-2: Blick in die via Gelseto

3: Palazzo Morelli

4: Castello Grisolia

5: Palazzo Rodi

6: Webstühle im Dorfmuseum, Cribari, Trenta (CS)

7: Webstuhl im Dorfmuseum, Cribari, Trenta (CS)