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Sichtbare Erinnerungen
in den Mauern des mittelalterlichen Cariati
- Memorie visive nel Borgo di Cariati -
 

 

 

Zehn Murales (Wandgemälde) erzählen seit Juli 2020, wie das Leben zwischen den Mauern von Cariati seit Jahrhunderten pulsierte: Szenen aus dem alltäglichen Leben von früher, spielende Kinder, Frauen am Waschtrog, Einblicke in die Werkstätten von Handwerkern, in das Leben von Töpfern, Korbflechtern, Bauern.

Die Associazione Coordinamento Donne Cariati mit ihrer Präsidentin Mariaelena Ciccopiedi hat dieses Projekt initiiert. Die Frauen sponserten die ersten zwei Wandgemälde, in der Hoffnung, dass sich weitere Sponsoren finden würden. Die Hauseigentümer, die Wände zur Verfügung gestellt haben, verpflichten sich, die bemalten Wände für 10 Jahre nicht zu verändern.

 

Die Fotos sind von Lorenzo Russo und Domenico Liguori, mit Genehmigung von Giuseppe Capoano.

Texte sind mit freundlicher Genehmigung überwiegend entnommen aus einem Interview von Cataldo Formaro vom 17. Juli 2020 (www.cariatinet.it) mit Dott. Maria Elena Ciccopiedi und Arch. Giuseppe Capoano. Übersetzung ins Deutsche: Thomas Raiser

 

Die künstlerische Technik, die Giuseppe Capoano an den Wänden von Cariati anwendet, wird als trompe l'oeil bezeichnet; im Deutschen würde man von Schein-Architektur oder von Illusionsmalerei sprechen.

Video zum Projekt in italienischer Sprache:  
 I murales del Centro Storico di Cariati - Memorie visive nel Borgo   
Cataldo Formaro (Cariatinet.it) im Interview mit Dott. Maria Elena Ciccopiedi und Arch. Giuseppe Capoano

  (frz „täusche das Auge“, von tromper „täuschen“ und l’œil „das Auge“) ist eine illusionistische Malerei, die mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht.) /wikipedia/  
  Giuseppe Capoano, Architekt, Regisseur, Maler und Illustrator, geboren 1969 in Crotone, Atelier in Cirò Marina/Kalabrien, erweckt die Gassen des mittelalterlichen Cariati zu neuem Leben.  
       
 

1 Condivisioni - Mitteilungen

Die Frauen treffen sich am Waschbrunnen, waschen Windeln und Leintücher. Für die Dimensionen projizierte G. Capoano den Entwurf an die Wand und zeichnete mit Kohle die Umrisse vor. Bevorzugte Farbe ist Sepia - die Farbe der Erinnerungen. Das grelle Weiß erinnert an unerwartete Lichteinfälle z.B. bei Caravaggio.

Ort:
La Valle

Sponsor:
Francesco Cicciu, Vorsitzender des Stadtrats von Cariati, finanziert von seinen Sitzungshonoraren

 
       
 

2 Presenze - Anwesenheiten

Die Schatten einer alten Frau, die mit ihrer Enkelin an der "Fontanella" Wasser holen geht. Das Bild erinnert an einen Brunnen, der früher an dieser Stelle stand.

Ort:
Discesa Valle

Sponsoren:
Verschiedene Ärzte und Geschäftsleute von Cariati

 
       
  Das Bild scheint die Durchsicht aufs Meer zu eröffnen. Das Blau des Bildes nimmt das Blau des Meeres auf.  
       
 

3 Laboriosità - Fleiß, Mühe

Noch nicht lange ist es her, dass dieses Bild von heimkehrenden Bauern in Cariati zum Alltag gehörte. Hinter der Wand, auf der das Bild gemalt ist, befand sich früher ein Stall. Der wilde Fenchel auf dem Rücken des Maultiers ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Küche.

 

Ort:
Salita San Leonardo

Sponsor:
Francesco Cicciu

 
       
 

4 Intrecci - Geflechte

Das Bild zeigt einen Mann beim Körbeflechten. Die Körbe aus Ginsterzweigen dienten früher vor allem zur Herstellung von Ricotta. Heute werden fast ausschließlich Körbe aus Kunststoff verwendet.

Der Titel dieses Werks "Geflechte" spielt nicht nur auf die geflochtenen Ginsterzweige an, sondern auch auf die menschlichen Verflechtungen im alten Stadtkern von Cariati. Die Mauer im Hintergrund wurde absichtlich im ursprünglichen Zustand gelassen.

Ort:
Ecke Discesa Valle/
via XX settembre

Sponsor:
Francesco Cicciu

 
       
 

5 Intenti - beschäftigt, beabsichtigt

Die Darstellung der Frau an der Spindel (nimula) ist das Resultat vieler Gespräche mit älteren Leuten in Cariati, welche diese Tätigkeit noch kannten. Intenti, also beabsichtigt ist nicht zuletzt die Fertigung der Decke, die später aus dem Garn gewoben werden wird.

Dieses Werk zeigt auch Elemente der volkstümlichen Frömmigkeit: 

 
 

Die gleichmäßige Tätigkeit war geeignet, dabei den Rosenkranz zu beten, der am Stuhl herabhängt, und rechts oben im Bild findet sich ein Bildstock mit dem Ortspatron San Cataldo.

Bis heute gibt es eine Redensart im Zusammenhang mit einem lebhaften Kind: "Das Kind hat eine Spindel - nimula - im Leib!"

Ort:
Largo S. Croce

Sponsor:
Eine Gruppe von Rechtsanwälten

 
 
 
 
 
       
 


6 Ieri e oggi - Gestern und Heute

Noch vor nicht allzu langer Zeit bevölkerten zahllose Kinder die Gassen des Borgo. Eines der beliebtesten Spiele war Nascondino, Verstecken. Überhaupt gab es soviele Spiele...

... im Kontrast dazu steht der Junge der mit seinem Handy beschäftigt ist.

 

Ort:
Via Garibaldi

Sponsor:
Associazione Coordinamento Donne Cariati.

 
"Sich erinnern bedeutet auch, etwas wahrnehmen, das nicht immer der Wirklichkeit entspricht, und das ist eine Wahrheit, welche der Junge mit dem Handy sehr wohl kennt."
Giuseppe Capoano
     
       
       
 

7 trasformazioni - Verwandlungen

Die "vucalari" gehören zu den ursprünglichen Handwerkstraditionen von Cariati. (vucali sind die Wasserkrüge).
Zuletzt gab es noch einen Töpfer unterhalb der Altstadt und oberhalb von S. Maria delle Grazie.

Die Associazione Agora Kroton, eine Sozialkooperative, die sich u.a. in Cariati um die Begleitung von Geflüchteten kümmert, hat nicht nur gesponsert, sondern auch aktiv mitgearbeitet mit einer Gruppe vor allem syrischer Migranten.
Der Töpfer ist ein Selbstbildnis von G. Capoano.

Ort:
Largo S. Margerita

Sponsor:
Associazione Agora Kroton

 
       
 

8 Sapori - Genüsse

Auf dem Werk auf der linken Seite der Tür wird die Käseherstellung dargestellt.. Auf dem Gemälde rechts von der Tür wird Peperoncino zu Bündeln aufgefädelt. In der Frau portraitiert Giuseppe Capoano seine Mutter.

Ort:
via Roma

Sponsoren:
Fratelli Forciniti (Agrargenossenschaft) und
Az. Ruffolo (Bio-Landwirtschaft in Bocchigliero)

 
   
   
       
 

9 Aperture - Öffnungen

Solche Durchblicke sind charakteristisch für die alten Borghi, davon gibt es einige auch in Cariati. Oft unerwartet tut sich eine Gasse auf mit neuen Perspektiven.

Ort:
Salita San Leonardo - Tür des ehemaligen Tabakgeschäfts der Familie Fortino

Sponsor:
Associazione Coordinamento Donne Cariati

 
       
 

10 Passatempi - Zeitvertreib

Die Malerei erinnert an eine Frau, die den ganzen Tag das Treiben in den Gassen vom Balkon herab beobachtete, alle grüßte und jedem einen "guten Weg" wünschte.

Ort:
Salita San Leonardo

Sponsor:
Francesco Venneri

 
       
       
       
  Bilderbogen (www.cariatinet.it) Entstehung von Werk 1: Condivisioni - Mitteilungen  
       
  Bilderbogen (www.cariatinet.it) sämtliche Murales in den historischen Mauern von Cariati  
       
Das gesamte Werk wurde begleitet von Lorenzo Russo und Domenico Liguori als Beratern. Das Projekt wurde weiterhin unterstützt von Luigi Cittadino und Luigi Fortino, welche die Aktion mit der Vorbereitung der Wände sponserten, von den Bars und Restaurants Il Duomo, Bar Fortino, Lebensmittel Cataldo Fortino, Ristorante  von Gennaro Iemboli, Ristorante L'Angolo dei Golosi, Lido 51 und La Buatta, die den Künstler Giuseppe Capoano während der Entstehungszeit der Malereien unentgeltlich verpflegten.