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Bocchigliero
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Palmsonntag in Bocchigliero
Foto: Francesco Filippelli 2015
 

870 m ü.d.M; 3208 Einwohner
Bocchigliero ist eine wichtige "Sommerfrische" geworden und Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen in die Sila. Die Schönheit des Ortes, eine herrliche Aussicht zum Meer hin, das Klima und die gesunde Luft, die hier erzeugten Lebensmittel tragen zum Wohlfühlen bei. Der Name des Ortes kommt von Bottiglieri - Hersteller von großen Töpfen, die in ganz Kalabrien vetrieben wurden.

Ursprünge und Geschichte

In den Ortsteilen Contrada Macchia del Calvario und in der Ortschaft Monumento sind zahlreiche archäologische Funde gemacht worden, die sich jetzt im Museum von Nicotera befinden. Es geht um eine prähistorische Siedlung, einen befestigten bruzischen Wall, (4.Jht.v.Chr.) Reste eines Wohnhauses und bedeutende Reste eines byzanthinischen Kirchleins auf dem Berg Basilicò. Nach dem Historiker Lenormant entspringt Bocchigliero der antiken enotrischen Stadt Arinthe oder Ariante (zitiert bei Hektor von Milet).

Jedenfalls gibt es die Stadt schon vor 1000 n.Chr. Sie entstand aus einer Zusammenlegung der Gehöfte S.Filippo, S.Pietro, S.Lorenzo, S.Nicola, S.Angelo und Cozzo della Chiesa (wo man noch die Reste einer byzanthinischen Kirche mit Doppelapsis und Nekropolis findet) und durch die Ankunft von Flüchtlingen von der Küste her. (wegen Sarazeneneinfällen und Malaria).

Seit 1417 trägt der Ort die Bezeichung Bucchiglieri. Ursprünglich ist Bocchigliero Teil der Herrschaft von Cariati, dann selbständig seit 1811.

Im 19.Jht. geht es besonders tragisch zu in Bocchigliero: es gab zwei schwere Erdbeben 1836 und 1870 (und 1905). In der Zeit nach der nationalen Einigung Italiens sind Briganten in der Gegend präsent, setzen der Stadt zu.

In dieser Zeit entsteht eine eigenartige religiöse Vereinigung, die Santi di Bocchigliero (Heilige von B.) Ihre Geschichte findet sich in:
PALANGE, GUIDO, Die Königin der drei Brüste, übersetzt und interpretiert von Julia Jäger, Verlag Rubbettino; Soveria Mannelli/Catanzaro 2000. Sie ist abgedruckt im Reisebuch Sila Greca Sila Ionica.

 

 

Was es zu sehen gibt

Das bedeutenste Zeugnis der Vergangenheit ist die Kirche Chiesa Matrice di S.Maria Assunta (17.Jht.) mit zwei Altären (Francesco di Paola und Madonna del Rosario/Madonna vom Rosenkranz). Ihr Turm soll einem antiken Wachturm ähnlich sehen. Weiterhin gibt es die Chiesa della Riforma und das Santuario(Heiligtum) della Madonna de Gesu (1000 m ü.d.M.) Im Zentrum des Ortes besitzen einige Häuser schöne Portale aus einheimischem Stein und schmiedeeiserne Balkone.
Reste einer römischen Straße
Grotte di Donna Filippa

Feste

S.Nicola-Fest 3.Sonntag im Mai
S.Rocco 19.-21.August, mit Vieh- und sonstigem Markt
Patron S.Nicola 21.August
Madonna delle Nevi 5.August
S.Maria della Neve

Bruder Benedetto von Rossano erzählt in einer Schrift von 1603, wie es zu dem Bau des Heiligtums der Madonna kam.
Es wurde eine steinerne Figur der Madonna gefunden und ins Dorf gebracht. Einer Ordensschwester erschien die Madonna im Traum und zeigte ihr den Ort, wo eine neue Kirche gebaut werden sollte. Der Wille der Madonna irritierte die Nonne: An einer Quelle, an der im August Schnee gefallen sei. Und tatsächlich, am 5.August desselben Jahres, mitten im Sommer, schneit es und so wurde im Jahr 1400 die Kirche in ca 1000m Höhe gebaut.

   

Eine Geschichte aus Bocchigliero

Zur der Zeit, als in Italien nur der Staat mit Salz handeln durfte, gab es einen regen Salzschmuggel. Jemand brachte heimlich ganze Fuhren Salz in die Nähe von Campana. In Bocchigliero erfuhr man unter der Hand ein, zwei Tage zuvor, wenn eine Lieferung unterwegs war. Dann machte sich auch der Großvater mit seinem Esel auf den Weg, um Salz zu holen für den heimischen Schwarzmarkt in Bocchigliero.
Hinunter ins Tal des Laurenzana, über den Fluss und dann auf dem alten Maultierpfad den Bergrücken hoch über dem Flüsschen Scalille, bis die ersten Gärten von Campana in Sicht kamen. Hier hieß es vorsichtig zu sein. Bald war das Salz umgeladen und bezahlt, so suchte der Großvater einen verborgenen Ort, wo er das Maultier warten ließ, denn wenn man schon mal in Campana war, so sollte das doch einen Schluck in einer Osteria dort wert sein. Aus einem Schluck wurden mehrere; der Großvater fand den Maulesel im Waldversteck und machte sich zufrieden auf den Heimweg. Es war wohl ein Schluck zuviel, denn der Großvater hatte Schwierigkeiten, dem Maulesel zu folgen. Bei seinen Lieben in Bocchigliero kam nur der Maulesel mit dem Salz an. Die Oma, voller Sorge, bat den Schwager, nach dem Großvater zu sehen. Da fanden sie ihn, auf einem Stein sitzend im Flüsschen Laurenzana, und als ob nichts gewesen wäre, hüpfte er im Sitzen auf dem Stein auf und ab und schnalzte, um den Esel anzutreiben - der schon lange daheim angekommen war.
(Erzählt von Francesco Scigliano)

(Francesco ist auch Autor und Herausgeber eines kleinen Buches über die Eigenarten des kalabresischen Dialekts von Bocchigliero.)

Bocchigliero 2011

Bocchigliero war für mich nicht neu; es zeichnet sich dadurch aus, dass es bisher der einzige Ort der Sila Greca ist, der versucht, die Landschaft durch Spaziergänge und Wanderungen gezielt zu erschließen. Der Bus (Abfahrt ab Cariati Bahnhof: 14 Uhr) hält direkt vor dem Hotel Renzini, einer Unterkunft, die ich wieder als solide, preisgünstig, freundlich und hilfsbereit, sauber, mit schönen Zimmern, gutem Essen und familiärer Atmosphäre erlebt habe. Am ersten Abend lerne ich im Restaurant auf der Terrasse Ernesto und Alfonso kennen. Sie interessieren sich sehr für die Fragen, die mit dem Wandern in Bocchigliero zusammenhängen.
Besuche bei den Familien Filippelli sowie Aura/Zumpano haben gute Gespräche gebracht, und die kleinen Spaziergänge lassen am Leben des Ortes teilnehmen. Vor meiner Wanderung nach Campana besuche ich die "Madonnina" am unteren Ende der Via Roma, am Ortseingang. Sie wurde gestiftet von einem Mann, der zu Zeiten eines Hochwassers vom Laurenzana mitgerissen wurde und ein Gelübde ablegte, im Fall seiner Rettung der Madonna dort an der Stelle eine Statue zu stiften, wo das Sträßchen zum Laurenzana Richtung Tal abzweigt.
Er wurde gerettet, doch das Versprechen geriet in Vergessenheit, bis ihn eines Nachts die Madonna im Traum an sein Gelübde erinnerte. Und so errichtete er die Säule mit der Statue.

  Mit Franco Filippelli fahre ich hinunter nach Cariati. Er erzählt von der schwierigen Aufgabe, die Straßen zwischen Campana, Bocchigliero und Cariati in Ordnung zu halten durch vielerlei Bauarbeiten. Von 30.000 Euro wurde sein Etat auf 8.000 Euro gekürzt - und das trotz Erdrutschen, die dort häufig sind, vor allem in dem Gebiet von Scala Coeli, weil sich der Lehmboden bei Regen mit Wasser vollsaugt und schwer wird. Aber ohne eine gute Straßen haben die Dörfer kaum eine Überlebenschance. Er würde lieber weniger Straßen unterhalten, dafür die aber gut instand halten.
   

 

   

 

 

 


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