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BOVALINO
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Spezial: ASPROMONTE
_____________ Blick vom Bahnsteig in Bovalino aufs Meer Das Busunternehmen Autolinee Pelle in S. Luca fährt vor allem Gruppen nach Polsi. Bei freuen Plätzen kann man auch als Einzelbesucher Glück haben. Tel. 0964/985293 |
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| Wallfahrtsort Madonna di Polsi im Aspromonte | |||||||||||||
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Tagebuch: Samstag 1. August 2009 Mit dem Zug nach Bovalino kostet €1,80, immer am Meer entlang. Um 10.30 Uhr startet dann vom Bahnhofsvorplatz der Mediterranea-Bus nach |
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| Am Casello Vocale ist Familienfest. Die Polizisten lehnen dankend die von der Festgesellschaft angebotene Wassermelone ab und fahren weiter, ich dagegen nehme dankend an und sitze neben Opa und Oma und freue mich an der Verwandtschaft, die sich hier vergnügt. Nach einem ordentlichen Essen befinden sie sich gerade beim Nachtisch. "Wir kommen aus Duisburg, wie die meisten in San Luca." Per Zufall habe ich Antono Pelle, Gastronom in Duisburg, getroffen. Er ist gerade daheim in S. Luca und macht hier Urlaub vor allem mit seinen Eltern. Er erzählt mir, wie er nach den Ereignissen in Duisburg (6 Tote) wochenlang verdächtigt und überwacht und von alten Freunden im Stich gelassen wurde, nur weil es eine Namensgleichheit gab (einer der bei der Schießerei beteiligten Clans hieß Pelle - Strangio). "In San Luca heißen aber alle Pelle oder Strangio". In dem Buch "Geboren in San Luca" macht er seinem Ärger über die Kriminalisierung Kalabriens durch die Medien Luft. Dieser Ärger ist bei vielen Kalabresen zu spüren, die sich zu Unrecht ständig mit der Mafia in Verbindung gebracht sehen. | Am Bahnhofsvorplatz von Bovalino fährt Mediterraneabus nach San Luca ab (normalerweise täglich außer So um 7.30 und um 10.30 Uhr, Fahrtzeit ca 30 Minuten) |
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| San Luca ist der Heimatort des Schriftstellers und Journalisten Corrado Alvaro. Über sein literarisches Schaffen ein Überblick unter: http://www.contrasto.de/alvaro.htm | |||||||||||||
Nun muss ich nur noch eine Stunde abwärts gehen, um Polsi zu erreichen, und schon bald sehe ich die Siedlung von oben. Kurz vor dem Wallfahrtsort überquere ich einen Bach. Ein paar Betonpfeiler künden von der Idee, eine Brücke zu bauen. An einer tieferen Stelle baden einige Familien, die sich später als Mitglieder einer Pilgergruppe aus Mammola herausstellen, die in 18 Stunden 70 Kilometer zu Fuß gegangen sind - am gleichen Tag. Von oben sieht Polsi aus wie drei langgezogene Ställe mit Blechdächern. Nähert man sich dann aber weiter an, so erkennt man eine interessante Ansammlung älterer Häuser, die Stück um Stück saniert werden. Ich komme in Polsi an. Als erstes sehe ich eine improvisierte Bar, vor der zwei Männer sitzen. Ich gehe weiter und komme zur kleinen Wallfahrtskirche, deren Türen weit geöffnet sind. Als ich sie betrete, sitzt in den hinteren Bänken eine Frau mit einem etwa achtjährigen Kind auf dem Schoß und singt ihm leise ein altes Wallfahrtslied vor, das sie auswendig kennt. Das Kind hört aufmerksam zu. |
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Polsi, unten die Kioske, oben der Wallfahrtsbezirk Die Wallfahrtskirche in Polsi |
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Mehrere junge Männer nehmen im vorderen Teil der Kirche Platz. Einer beginnt laut ebenfalls Wallfahrtslieder zu singen, einige in dem volkstümlichen Tonfall der Marienlieder von Polsi, aber auch ein paar moderne Marienlieder, die ich kenne. Die andern stimmen ein. Erst am nächsten Tag merke ich, dass dies die Chorprobe war für den Sonntagmorgen. Durch den Seitenausgang der kleinen Kirche komme ich in ein Atrium mit blumengeschmückten Balkonen auf mehreren Stockwerken, alles neu renoviert. Ein Jugendlicher weist mich nach oben, als ich nach dem Wallfahrtspfarrer, Don Pino Strangio, frage. Im ersten Stock entdecke ich eine ganze Wand voll behängt mit Brautkleidern – sicher Kleider, die hier bei Trauungen getragen und dann der Madonna gestiftet wurden. Im obersten Geschoss geht von dem Balkon eine offenstehende Tür ab. Ich sehe zwei Räume, die als Büro und Aktionsraum möbliert sind. Mehrere freiwillige Jugendliche sitzen vor dem Computer oder erledigen irgendwelche Dinge. Von ihnen erfahre ich, dass Don Pino bald kommen wird. Zwischenzeitlich beobachte ich den Elektriker Salvatore und einen der Freiwilligen, als sie ein Transparent am Eingang des Wallfahrtsbereiches anbringen. Darauf wird von Polsi als dem „Herz des Aspromonte“ gesprochen, Worte, die ich sehr treffend finde und welche die neue Rolle des Ortes sehr gut zum Ausdruck bringen: |
Wandgemälde im Refektorium
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Brautkleider im Innenhof des Konventsgebäudes |
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Wallfahrtsbild
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Zur Entstehung des Am Anfang war Polsi bewohnt von italienisch-griechischen Mönchen, später bewohnten dann Eremiten das Santuario. Der Name "Polsi", früher "Poupsis"bezeichnet einen hervorgehobenen Ort oder bedeutet: Hervorhebung, Erhöhung. Sants Maria di Polsi würde also bedeutet: Maria von der Kreuzerhöhung. Als am 1. November 1457 Bischof Atanasio Calkeopulos zu Besuch nach Polsi kam, bedeutete dies den Übergang vom griechischen Ritus der italienisch-griechischen Mönche zum lateinischen Ritus der römischen Kirche. Er trifft ein kleines basilianisches Kloster vollen spirituellen Lebens an mit den Brüdern Nicodemo, Atanasio, Teofilo, Neofito und Simeone unter der Führung ihres Abtes Gerasimo. Wenig später, im Jahr 1480 verließen die basilianischen Mönche den Ort und zogen in das bis heute bestehende Kloster des ostkirchlichen Ritus in Grottaferrata bei Rom. Im 17. Jahrhundert bildete sich eine kleine Eremitengemeinschaft, die sich nach San Paolo I Eremita nannte. Diese Gemeinschaft bestand bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von da an gab es jeweils einen "rettore", einen Wallfahrtspfarrer in Posli. Im Jahr 1881 wurde zum ersten Mal die Krönung der Madonnenstatue begangen, von da an alle 50 Jahre, bis |
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Tagebuch: Sonntag 2. August 2009 in Polsi Eine ungestörte vollkommene Ruhe zieht sich durch die ganze Nacht. Bis um 5 Uhr, denn dann läuten die (Lautsprecher-)Glocken mit dem Ave Maria-Lied den Sonntagmorgen ein. Irgendwann gegen acht Uhr nehme ich im Refektorium den Caffè (Espresso) aus der Kanne ein, zusammen mit ein paar Keksen zum Tunken, also wie üblich. Zwei, drei der Freiwilligen aus San Luca sind ebenfalls am Frühstücken. Unten auf dem Platz an der Kirche kommen schon die ersten Pilger, man hört die Stimmen, und der erste Souvenirstand lässt dezent Musik plärren. Ich gehe hinunter zu den Verkaufsständen, die im Rund angeordnet sind. („Das war eine der ersten Aktionen, die Don Pino Strangio nach der Übernahme des Amtes unternommen hat: Die Stände, die direkt vor der Kirche waren, auf den Platz unten am Flüsschen zu verbannen.“) Ein Händler baut am Weg zum Santuario seinen Blumenstand auf. Die Blumen sind sehr begehrt. Die Leute kaufen eine einzelne Blume für jeden und stecken sie dann in der Kirche vor dem Madonnenbild in eine bereitstehende Vase. Die Pilger sind inzwischen mehr geworden. „Die Messe fängt an, wenn die Leute da sind, dann läuten die Glocken.“ sagt Don Pino. Korrekt. Etwa halb zehn beginnt Don Vito mit der ersten Messe in der gut gefüllten Kirche. Die Leute, die noch Schlange stehen zum Maria-berühren und Blumen stecken werden gebeten, sich in die Bänke zurückzuziehen. Das irritiert zwei kleine Mädchen mit Cowboyhüten. Sie sind jetzt ganz durcheinander, denn sie können ihre Blumen nicht loswerden.. |
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| Don Pino Strangio beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche |
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Eine Pilgergruppe aus Mammola ist innerhalb eines Tages 70 km zu Fuß nach Polsi gewandert. Sie stellen jetzt den Chor, der die Lieder anleitet. Man singt auswendig. Vor dem Gottesdienst wird aufgerufen, sich zu melden, wer einen Bibeltext oder ein Gebet vorlesen möchte. Es kommen mehr als genügend Leute, die dazu bereit sind. Die Botschaft Die dritte Messe mit Don Pino, dem „rettore“ (Rektor) des Wallfahrtsortes, ist verbunden mit einer Taufe eines Kindes. Don Pino leitet die Liturgie mit routinierter, verbindlicher Geschäftigkeit. Er gilt als ein Mann, der handelt. Don Pino Strangio Zum Abschied will ich Don Pino eine Spende geben. "Beim nächsten Mal ..." wehrt er ab. Die jugendlichen Freiwilligen haben mir schon zuvor gesagt: "Dies hier ist das einzige Hotel in Italien, das nichts kostet!" Jugendliche könnten damit oft nicht klarkommen: "Wenn's nichts kostet, dann ist es nichts wert." Edward Lear in San Luca und Polsi |
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| Salvatore und einer der Freiwilligen befestigen ein Transparent: "Das Santuario von Polsi: Symbolischer Ort des Wiederaufbaus und der Wiedergeburt des Aspromonte" |
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| Autor Thomas Raiser mit Don Pino Strangio | |||||||||||||
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| Hier gibt es legal geschlachtetes Ziegenfleisch. "Einmal hat jemand behauptet, in diesem hohlen Baum würden sich die Mafiosi treffen!" - Die Ganzjahres-Krippe von Polsi |
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Die "Charta della Civilta del Aspromonte" Im Jahr 2001 haben sich die Städte und Gemeinden des Aspromonte eine Art Grundgesetz gegeben, die „Charta della Civilta del Aspromonte“. - Gastfreundschaft |
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