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San Nicodemo Giuseppe Ferrari:
Cirò Marina wie es früher war

Giuseppe Ferrari und seine wehmütigen Erinnerungen
an Cirò Marina von früher


Je weiter und länger jemand von seiner Heimat fern ist, um so stärker kann die Sehnsucht nach der Heimat als Ort der Kindheit und Jugend werden. Vor dem inneren Auge wächst das Bild einer geordneten, heilen Welt von Traditionen, verbunden mit Orten und Gesichtern, welche die Kindheit wertvoll gemacht haben. Während sich in der Fremde ein paradiesisches Bild der "verlorenen Heimat" bzw. Kindheit entfaltet, geht das Leben in der realen Heimat weiter, das Leben modernisiert sich, Traditionen verändern sich oder gehen verloren und Neues entsteht. Und so wird der Ort der Kindheit bei Besuchen zugleich als vertraut und fremd erlebt. So ging es auch Giuseppe Ferrari.

Giuseppe Ferrari, geboren in Cirò Marina am 16. Oktober 1931, war von Kind an künstlerisch begabt sowohl in Sachen Malerei, Poesie und Erzählkunst.
Die ersten Jahre seiner Jugendzeit erlebte er zwischen Ligurien, Toskana und der Lombardei. Später, als er nach Cirò Marina zurückkehrte und dort viele Jahre als Lehrer tätig war, schien er enttäuscht darüber, wie sich sein Heimatort verändert hatte.In Gedichten, Bildern und Erzählungen wollte Giuseppe Ferrari die Schönheit einer Welt wieder auferstehen lassen, die mit ihren Traditionen, ihren Farben und ihren Düften bereits im Untergehen begriffen war.
Ferrari, glücklich verheiratet mit Carmela Tondolo, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte, verstarb 2001. Zu seinem Andenken gab 2002 seine Tochter Simona seine Aufzeichnungen heraus.

 

 

"L'identità e la memoria" (Die Identität der Erinnerung) enthält Aufzeichnungen über das Leben in Cirò Marina im Jahreslauf. Giuseppe Ferrari beschreibt im Detail Traditionen und Rituale, wie sie in Cirò Marina üblich waren und teilweise noch bis heute sind. Mit Liebe zum Detail schildert er den Jahreslauf der Natur, geht aber auch auf ein paar historische Ereignisse wie die Ankunft von Mussolini in Cirò Marina ein.

Das Buch ist erhältlich bei
Frau Carmela Tondola,
Via Kennedy, 88811 Cirò Marina,
Tel. (0039)0962 / 31692

Im Folgenden die deutsche Übersetzung einiger Ausschnitte. Ergänzungen folgen im Laufe des Jahres 2010.

 
 

APRIL
Aprili caccia ra fimmina du cinnarina o cci' a fa miutiri - Der April treibt die Frauen vom Herd weg oder bringt sie dorthin. -sagt ein Sprichwort, aber selten wurde dies wahr. Nach den ersten Tagen leichten Regens, nützlich für die Felder, reinigte die Sonne den Himmel von den wenigen Wölkchen und illuminierte das wässrige Blau noch wässriger, das sich tagtäglich mehr erwärmte. Die Wiesen, im Einklang mit den schönen Tagen, gingen daran, sich mit einer großen Vielfalt von Blumen zu schmücken, die sich hier wie dort in leuchtenden Farben schenkten. Seinen eigenen Charakter empfing dieser Monat von einem leichten Mistralwind, der im Vorüberziehen die grünen Getreidesaaten liebkoste, als ob er sie kämmen und säubern wollte.

(Giuseppe Ferrari beschreibt nun ausführlich die Rückkehr der Zugvögel und den Flug des Falken. Das war die große Zeit der Vogeljäger, die vor allem auf Wachteln und Turteltauben aus waren.)

Für gewöhnlich folgte im April auch Ostern, das wie alle Feste eine besondere und eigens geprägte Periode im gleichförmigen Leben des Ortes bedeutete. Zu diesem Anlass machten sich dann die Patres Passionisten bemerkbar, und jeden Abend lauschte das Volk ihren Predigten. Ein Sprichwort sagt: Cavali, vrocculi e predicaturi, doppu Pasca 'u ffanni cchjù figura. -Kohl, Broccoli und Prediger machen nach Ostern keine gute Figur.
Alte Frauen und junge Mädchen brachten von daheim Stühle und Bänke mit, um all den Stationen des Via Crucis folgen zu können, welche von den Passionisten mit Feuereifer und Passion erzählt wurden, um mit donnernder Stimme von der Kanzel die Herzen der Anwesenden einzufangen.

Giuseppe Ferrari:
Bei der Olivenernte